Ein Dorf – ein Team
FC Viktoria Doveren e.V.
FC Viktoria Doveren e.V.
Heute war mal wieder so ein Sonntagnachmittag, an dem die Kreisligaromantiker unter uns voll auf ihre Kosten kommen sollten. Ein Fußballnachmittag, der einen erst verführt und Hoffnung schürt und dann doch wieder eiskalt, wie eine wankelmütige Geliebte abserviert. Dabei hatte das Setting rund um dieses Liebesdrama alles, was es für ein Happy End brauchte.
Ein tiefer Rasen, dem ein liebevoller Scherenschnitt unter der Woche durchaus gutgetan hätte. Dazu ein Publikum, das vom ruhigen Beobachter über den pessimistischen Rentner bis hin zum hibbeligen Vorstandsmitglied alles zu bieten hatte, was sich an einem Sonntag rund um das Spiel unserer Viktoria versammelt. Nur eben keine verwöhnte Erfolgsfangemeinde einer Millionärstruppe aus den Nordtiroler Voralpen. Nein, die grün-weiße Anhängerschaft mag es klassisch rustikal. Harte Zweikämpfe, blutige Grätschen und dreckige kleine Scharmützel zwischen dem Sechser der Gastgeber und dem Innenverteidiger unseres viktorianischen Herzensvereins. Wenn dann als Add-on ein sauberer Doppelpass mit anschließendem Fallrückzieher in den Winkel des gegnerischen Tores dazukommt, würde man sich vermutlich über ein bisschen Jogo Bonito nicht beschweren.
Die ersten Minuten machten tatsächlich Hoffnung, dass sich zumindest ein Teil dieser bescheidenen Träumereien erfüllen könnte. Der bislang ungeschlagene Tabellenvierte aus Kückhoven und unsere zuletzt siegreiche Elf vom Junkerberg lieferten sich einen intensiven Beginn. Die Viktoria war hellwach, mutig und keineswegs gewillt, sich vor dem Gegner zu verstecken. Stattdessen wurde ordentlich dagegengehalten, körperlich gearbeitet und deutlich gemacht, dass man hier nicht zum Kaffeekränzchen angereist war.
Leider war der Nachmittag für Philipp Morr bereits nach knapp fünf Minuten vorzeitig beendet. Unser Flügelflitzer knickte beim Sprint auf diesem unsäglichen Kartoffelacker um und musste mit einer Kapselverletzung vom Platz. Für ihn rückte Jason Rebing ins Sturmzentrum, Emmanuel Bieonuma übernahm die rechte Außenbahn.
Wie körperlich es auf dem Platz zur Sache ging, zeigte sich auch an der Kartenverteilung des Unparteiischen Dennis Baumann. Insgesamt achtmal griff er zum gelben Karton. Dass die Partie trotz der einen oder anderen Nicklichkeit und eines nicht gerade zimperlichen Kückhovener Publikums ohne Platzverweis über die Bühne ging, durfte durchaus als kleine Überraschung gelten. Immer wieder wurde unterbrochen, gestichelt und diskutiert. Ein richtiger Spielfluss wollte so auf beiden Seiten nicht entstehen.
In der ersten halben Stunde gelang es keiner Mannschaft, sich ein klares Übergewicht zu erarbeiten oder ernsthafte Torchancen herauszuspielen. Viel Arbeit, viele Zweikämpfe, wenig Ertrag. Dann schlug Germania zu. Nach einer guten halben Stunde bekam unsere Abwehr den Ball nicht schnell genug aus der eigenen Gefahrenzone. Ein Schuss aus knapp 16 Metern fand den Weg ins lange Eck von Keeper Daniel Kuhnen. Die Führung der Gastgeber kam ein wenig aus dem Nichts, war aber eben auch das Ergebnis eines Augenblicks, in dem die Viktorianer nicht konsequent genug verteidigt hatten.
Wer aber nun befürchtet hatte, dass unsere Jungs wieder die Köpfe hängen lassen würden, sah sich eines Besseren belehrt. Die Mannschaft von Thorsten Berg blieb konzentriert, hielt dagegen und suchte weiter den Weg nach vorne. Diese Gier auf den Ball und der Wille, sich nicht einfach mit dem Rückstand abzufinden, wurden unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff belohnt.
Lars Rumpf setzte sich an der Torauslinie energisch gegen zwei Germanen durch und legte den Ball im richtigen Moment zurück. Cany Gönül war zur Stelle und schob aus knapp fünf Metern zum verdienten 1:1 ein. Ein sauber herausgespielter Treffer, der zeigte, dass unsere Viktoria durchaus in der Lage war, dem Tabellenvierten wehzutun.
Mit dem Ausgleich und einer ordentlichen Portion neuem Selbstvertrauen ging es in die zweite Hälfte. Die Viktorianer beackerten weiter den Platz, suchten die Lücken und versuchten, sich Chancen zu erarbeiten. Doch je länger die Partie dauerte, desto deutlicher forderten der tiefe Untergrund und der große Aufwand ihren Tribut. Die Beine wurden schwerer, die Konzentration ließ hier und da nach. Trotzdem gab es immer wieder gute Angriffsaktionen, aus denen nur leider nichts Zählbares heraussprang.
In der 68. Minute lief die Elf vom Junkerberg dann in einen Konter, den die Kückhovener eiskalt zur erneuten Führung nutzten. Und als wäre das nicht schon ärgerlich genug gewesen, segelte keine vier Minuten später ein Freistoß der Gastgeber an Freund und Feind vorbei und wurde am langen Pfosten ins Tor gedrückt. Daniel Kuhnen war dabei ohne jede Chance.
Doch auch jetzt warf unsere Mannschaft nicht einfach das Handtuch. Angesichts der drohenden Niederlage wurde noch einmal alles in die Waagschale geworfen. Thorsten Berg reagierte, brachte mit Justin Franzolet einen weiteren Stürmer und setzte damit alles auf eine Karte. Der Mut wurde in der 78. Minute belohnt. Der eingewechselte Joker traf im Nachsetzen ins lange Eck zum 2:3.
Plötzlich war sie wieder da, diese Hoffnung, wegen der man sich Woche für Woche sonntags an den Platz stellt. Sie saß irgendwo zwischen den matschigen Stollen und den hochgeschlagenen Jackenkragen, reckte den Kopf und flüsterte den Zuschauern ein leises „Da geht noch was“ ins Ohr. Mit jedem langen Ball in Richtung der Kückhovener Abwehr bekam sie neuen Auftrieb. Vielleicht noch ein Kopfball. Vielleicht ein abgefälschter Schuss. Vielleicht einmal dieses kleine bisschen Glück auf der richtigen Seite.
Aber die Hoffnung ist bekanntlich ein ziemlich mieser Verräter. Sie durchflutet jede Faser des Körpers, sobald der Ball nur in die Nähe des gegnerischen Strafraums rollt, und ebbt mit jeder verpassten Chance immer stärker ab. Unsere Viktoria versuchte es weiter, warf noch einmal alles nach vorne und suchte den Ausgleich. Doch der Ball wollte an diesem Nachmittag einfach nicht mehr über die Linie.
Dann zerstörte der letzte Pfiff des Tages von Schiedsrichter Dennis Baumann alle Hoffnungen der Viktorianer und machte aus diesem Liebesfilm endgültig ein Melodram.
Die drei Punkte blieben in Kückhoven, und unsere Viktoria musste die Heimreise mit leeren Händen antreten. Der ruhige Beobachter, der pessimistische Rentner und das hibbelige Vorstandsmitglied dürften sich auf dem Rückweg ausnahmsweise einig gewesen sein: Hier war heute definitiv mehr drin.
Kuhnen- Lewezki (74. Kohnen), C. Goertz, Mickels, F. Goertz - Morr (5. Rebing), Gönül (76. Franzolet), T. Rumpf , Schmitz , L. Rumpf - Bieonuma (74. Sagert)
Bereits am Sonntagmittag stritt sich unsere Reserve bei der Zweitvertretung des SV Golkrath um drei Punkte. Unter der Leitung des 75-jährigen Wolfgang Hessmann entwickelte sich am Wiesengrund eine spannende und abwechslungsreiche Partie, in der unsere Reserve am Ende nicht nur die Oberhand behielt, sondern auch bewies, dass Erfahrung im Fußball manchmal eben doch durch nichts zu ersetzen ist.
Die Gastgeber erwischten den besseren Start und gingen nach zehn Minuten mit 1:0 in Führung. Es dauerte ein wenig, bis sich unsere Zweite von diesem frühen Rückschlag erholt hatte. Doch sieben Minuten vor dem Halbzeitpfiff meldeten sich die Viktorianer zurück. Mit einem sehenswerten Lupfer über Freund und Feind hinweg netzte Jens Rebing zum 1:1 ein. Der Mittvierziger Rebing, eigentlich für seine kämpferische und laufstarke Spielweise bekannt, entdeckt offenbar zunehmend seine feine Klinge. Im gesetzten Fußballeralter kommen die Qualitäten eben manchmal dort zum Vorschein, wo man sie am wenigsten erwartet.
Auch der zweite Old-Star im Team ließ sich nicht lange bitten. Nach 50 Minuten gab Dennis Krieger seine Visitenkarte ab. Wie ein guter Wein, der mit den Jahren an Geschmack gewinnt, zauberte er nach einer kurz ausgeführten Ecke aus gut zehn Metern den Ball mit seinem Goldköpfchen ins lange Eck. Die Viktoria führte 2:1 und hatte das Spiel gedreht.
Doch die Gastgeber hatten wenig Lust, sich kampflos geschlagen zu geben, und reagierten nach knapp einer Stunde mit dem Treffer zum 2:2. Die Partie war wieder offen, und es schien, als würden sich beide Mannschaften mit einem sportlich durchaus gerechten Remis begnügen müssen.
Allerdings hatten die Golkrather die Rechnung ohne Sebastian Sonn gemacht. Eine Minute vor dem Ende der regulären Spielzeit servierte unser Bomber das 3:2 für die Reserve auf dem Silbertablett. Plötzlich war der Widerstand der Gastgeber gebrochen. Golkrath öffnete angesichts der drohenden Niederlage den Abwehrriegel und wurde dafür in der Nachspielzeit gleich doppelt bestraft. Elia Rohloff und Nick Nolte legten noch das vierte und fünfte Tor nach und machten damit endgültig den Deckel auf diese Partie.
Am Ende stand ein 5:2-Auswärtssieg, der auch in dieser Höhe verdient war. Und während Sebastian Sonn, Nick Nolte und Elia Rohloff für die späten Treffer sorgten, hatten unsere beiden „Old-Stars“ Jens Rebing und Dennis Krieger zuvor gezeigt, dass man auch jenseits der üblichen Fußballerblüte noch für besondere Momente sorgen kann. Erfahrung zahlt sich eben aus. Manchmal mit einem Lupfer, manchmal mit einem Goldköpfchen und schließlich mit drei Punkten im Gepäck.
Stephan Epple