Ein Dorf – ein Team

FC Viktoria Doveren e.V.

 
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... und dann kam die zweite Halbzeit

Als heute Morgen zwischen zehn und elf Uhr der Regen auf den Asphalt schlug, als wolle er ihn aufweichen und darunter etwas freilegen, worüber besser niemand stolpern sollte, war die Vorfreude auf den Doppelspieltag unserer Viktoria ungefähr so groß wie das Entfernen eines eitrigen, eingewachsenen Fußnagels vor dem Anziehen der Copa Mundials zu einem Aschetraining bei drei Grad an einem nasskalten Dienstagabend.

 

Es gibt angenehmere Arten, einen Sonntag zu beginnen.

 

Aber das ist das Problem mit der Viktoria. Man kann ihr nicht einfach fernbleiben. Nicht, wenn sie ruft. Und sie ruft immer. Bei Sonnenschein, bei Regen, bei Temperaturen, bei denen vernünftige Menschen ihre Wohnungen nicht verlassen, und manchmal sogar dann, wenn man ganz genau weiß, was einen erwartet.

 

Also fährt man trotzdem hin.

 

Immer.

 

Der Junkerberg lag noch unter einer grauen Decke an diesem Sonntagmittag. Der Regen hatte den Platz dunkel gefärbt und die Wege glänzten, und über allem hing diese eigentümliche Sonntagsstimmung, die einem schon vor dem Anpfiff sagt, dass dieser Nachmittag möglicherweise nicht so enden wird, wie man es sich vorgestellt hat.

 

Kurz nach vierzehn Uhr geschah dann etwas, womit kaum noch jemand gerechnet hatte.

 

Der Himmel riss auf.

 

Ein schmaler Streifen Blau erschien zwischen den Wolken, dann wurde daraus Licht, und plötzlich lag der schönste Berg der Welt in einem Sonnenschein, der beinahe unwirklich daherkam. Man konnte wieder sehen, wie grün der Rasen war. Man konnte wieder Gesichter erkennen. Und irgendwo in diesem Augenblick fuhr ein seliges Wohlbefinden durch die Magengrube.

 

So ungefähr muss es sich anfühlen, wenn man auf 8848 Metern ohne Sauerstoffflasche steht und einem im nächsten Moment eine viktorianische Currywurst vor die Nase gestellt wird.

 

   Saftig-süß brutzelt die herrliche Currywurst in geheimer viktorianischer Soße. 

 

Dieser Gaumenschmaus, der an diesem Nachmittag in üppigen Mengen über die Theke ging, sollte auch über den sportlich dann doch eher betrüblichen Nachmittag hinweghelfen. Zugegeben, das eine oder andere Kaltgetränk tat ebenfalls seinen Teil dazu, die Sinne ein wenig zu vernebeln und das Geschehen auf dem Rasen, vor allem im zweiten Abschnitt, besser ertragen zu können.

 

Mit der jüngsten Startelf der Saison schickte unser Coach Thorsten Berg seine Elf vom Junkerberg gegen den A-Liga-Absteiger Grün-Weiß Karken ins Rennen. Den erkrankten Stammkeeper Daniel Kuhnen ersetzte der erst zu Saisonbeginn ins Tor geschmissene Mattis Gers. Zudem kam der gerade einmal 18-jährige Cany Gönül zu seinem Saisondebüt.

 

Mit Lars und Thorben Rumpf, Chris Kohnen, Jordan Sosnowski und eben Keeper Gers standen weitere Jung-Viktorianer auf dem Platz, die allesamt die 18 gerade in Angriff nehmen oder erst kürzlich erreicht haben. Mut zur Jugend hatte Berg also von Anfang an. Wobei ihm in der derzeitigen Situation auch nicht allzu viel anderes übrig bleibt, als auf den Nachwuchs zu setzen.

 

Und der machte seine Sache in der ersten Halbzeit ordentlich. Zwar begann die Partie für unsere Farben mit einem sehr frühen und unglücklichen Rückstand denkbar ungünstig, doch Einsatz und Wille stimmten. Immer wieder blitzten Kombinationen durchs Mittelfeld auf, die zumindest die Hoffnung nährten, dass hier vielleicht doch etwas gehen könnte.

 

Nach einer guten halben Stunde wurde dieser Kampfgeist dann belohnt. Ein sehenswerter Angriff brachte Mittelstürmer Jason Rebing in eine aussichtsreiche Position. Frei lief er auf das Karkener Tor zu, sein Schuss wurde noch geblockt. Der Abpraller landete bei Gönül und der blieb eiskalt. Ausgleich.

 

1:1. Und plötzlich war da dieser Glaube. Der Glaube daran, dass man auch gegen größere Kaliber mithalten kann. Die Elf vom Junkerberg spielte weiter nach vorne, trug einige Angriffe durchaus gefällig vor, nur fehlte am Ende meist das letzte Quäntchen Spielglück: der letzte Pass, ein bisschen Übersicht oder einfach ein Vollstrecker, der auch mal eine halbe Chance über die Linie drückt.

 

Und leider blieb uns der Fußballgott auch diesmal nicht besonders gewogen. In der 38. Minute fiel der Ball nach einem Gewühl im Doverener Strafraum einem Karkener vor die Füße und plötzlich stand es 1:2.

    Viel los im Doverener Strafraum. Leider zu viel  

 

Nicht gerade das Ergebnis, das man sich nach einer ordentlichen ersten Halbzeit auf die Anzeigetafel wünscht.

 

Also ging es mit diesem 1:2 in die Pause. Die eingefleischten Viktoria-Fans ließen sich davon allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Man labte sich weiter an Currywurst und kühlem Gerstensaft, genoss inzwischen sogar den spätsommerlichen Sonnenschein und hoffte auf weitere gute 45 Minuten Fußball. Auf eine Viktoria, die mit den Mitteln aus der ersten Halbzeit das Ding vielleicht doch noch drehen konnte.

 

Aber manchmal kommt es anders und zweitens als man denkt.

 

Als Schiedsrichter Michael Kranz kurz nach dem Wiederanpfiff auf Handelfmeter für Karken entschied und den zuvor bereits verwarnten Andy Lewezki mit Gelb-Rot vom Platz stellte, war die Messe im Grunde gelesen.

 

1:3.

 

1:4.

 

1:5.

 

1:6.

 

1:7.

 

1:8.

 

Die nackten Zahlen standen nun da wie kleine, kalte Grabsteine.

 

Als der Schlusspfiff ertönte, standen die jungen Viktorianer auf dem Platz und sahen aus, als hätten sie gerade erst verstanden, was da eigentlich passiert war. Manchmal ist Fußball eine Lehrstunde. Manchmal ist er eine Ohrfeige. Und manchmal schafft er es, beides miteinander zu verbinden. An diesem Nachmittag war es eine ziemlich schmerzliche Lehrstunde.

 

Karken hatte seine Sache clever gemacht und am Ende auch in dieser Höhe verdient gewonnen. Unsere Jungs mussten reichlich Lehrgeld bezahlen. Das gehört dazu. Nur fühlt es sich in dem Moment, in dem man die acht Gegentore vor dem geistigen Auge sieht, nicht besonders pädagogisch wertvoll an. Auch die Currywurst konnte da nichts mehr ausrichten. Und das will etwas heißen.

 

Trotzdem ist das vielleicht das Merkwürdige am Fußball: Noch bevor der Rasen wieder trocken ist, beginnt das Gehirn damit, sich einzureden, dass alles gar nicht so schlimm war. Morgen interessiert das Ergebnis schon weniger. Übermorgen ist es eine Zahl. Und irgendwann ist es auch schnell vergessen. Nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel.

 

Also heißt es auch heute Abend: Currysoßenmund abwischen. Fußnägel schneiden. Weitermachen. Das nächste Spiel kommt.

 

Und wir werden wieder da sein. Natürlich werden wir das.

 

Gers - Lewezki, C. Goertz, Kohnen, F. Goertz (83. Nolte)  - Gönül (78. Bieonuma), T. Rumpf, Schmitz (65. Morr), Sosnowski, L. Rumpf - Rebing (71. Rohloff)

 

 

Reserve bleibt ebenfalls sieglos

Am Mittwoch hatte unsere Reserve noch 1:2 bei der SG Merbeck/Viktoria Wegberg verloren. Am Sonntag kam nun eine weitere Viktoria an den Junkerberg. Diesmal aus Kleingladbach. Die erste Halbzeit war kein Fußballspiel, das man seinen Enkeln erzählen wird. Viel Kampf. Wenig Glanz. Noch weniger Tore. 0:0. Man hätte es dabei belassen können.

 

Nach dem Seitenwechsel investierte die Zweitvertretung aus Kleingladbach etwas mehr und bekam eine Viertelstunde vor Schluss dafür, was man im Fußball gemeinhin eine Belohnung nennt: das 0:1. Fünf Minuten vor dem Ende folgte das 0:2. Deckel drauf.

 

Damit war der Sonntag für die Grün-Weißen endgültig einer dieser Tage, die man getrost gebraucht nennen kann. Zumindest dieser ausklingende Sonntag. 

 

Denn einer hatte trotzdem allen Grund zu feiern. Unser Abwehrchef der Reserve, Sebastian Muth, hatte am gestrigen Samstag seine langjährige Partnerin Frederike geheiratet. Und vielleicht ist das ja auch die richtige Geschichte, mit der man diesen Sonntag beendet. Nicht mit einem 1:8 oder einem 0:2.

 

Sondern mit zwei Menschen, die Ja gesagt haben.

 

Die gesamte Viktoria-Familie gratuliert Frederike und Sebastian von Herzen und wünscht den beiden alles Gute für ihren gemeinsamen Weg. Und natürlich, das versteht sich bei einem Fußballverein von selbst, möglichst bald Nachwuchs. Denn vielleicht lesen wir ja eines Tages, irgendwo zwischen Spielbericht und Wetterbericht, folgende Schlagzeile:

 

Muth Junior schießt die Viktoria in die Landesliga.

 

Stephan Epple

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Veröffentlichung

So, 20. September 2026