Ein Dorf – ein Team
FC Viktoria Doveren e.V.
FC Viktoria Doveren e.V.
Im klassischen Fußballfachjargon nennt man einen Punkt aus drei Spielen einen Fehlstart. Klingt beschissen, ist aber nun einmal so. So richtig in die neue Saison ist unsere Viktoria jedenfalls noch nicht hineingesprintet. Wobei man fairerweise sagen muss, dass uns der Spielplan zum Auftakt auch nicht gerade mit Wattebäuschchen beworfen hat. Holzweiler, Hilfarth, Kleingladbach. Drei Mannschaften, bei denen man schon mal etwas tiefer in die Tasche greifen muss, wenn man Punkte mit nach Hause nehmen will.
Die beiden Niederlagen gegen Holzweiler und Hilfarth gehen deshalb durchaus in Ordnung. Vielleicht hätte es hier und da nicht gleich ein oder zwei Tore mehr auf der falschen Seite sein müssen, aber geschenkt. Dafür hat der Punkt gegen die starken Kleingladbacher gezeigt, dass unsere Jungs keineswegs vorhaben, sich in dieser Liga einfach widerstandslos ihrem Schicksal hinzugeben.
Gerade unsere jungen Spieler haben dabei bislang ordentlich ihre Knochen hingehalten. Aber ihnen fehlt naturgemäß noch das eine oder andere Pfund Erfahrung. Und genau das ist manchmal entscheidend. Nicht unbedingt bei den großen Aktionen, sondern in diesen kleinen dreckigen Momenten, in denen ein abgeklärter Gegenspieler noch schnell den Fuß dazwischenstellt, den Körper reinhängt, einen Zweikampf mit einem kleinen Schubser für sich entscheidet oder einfach seine Erfahrung ausspielt.
Das muss man irgendwann einfach lernen. Die Scheu ablegen. Dreckig werden, wenn es nötig ist. Dem alten Hasen auf dem Platz auch mal zeigen, dass man nicht zum Verteilen von Höflichkeiten gekommen ist. Denn diese Abgezocktheit wächst nicht auf Bäumen. Die holt man sich in Spielen wie diesen, in harten Zweikämpfen, die weh tun, und in Situationen, in denen man sich mit Mut und Chuzpe auch mal das nötige Spielglück erarbeitet.
Wenn die jugendliche Unbekümmertheit unserer jungen Wilden irgendwann mit ein bisschen Schlitzohrigkeit und der nötigen Portion Abgezocktheit vermischt wird, könnte daraus noch eine ziemlich unangenehme Mischung für unsere Gegner werden. Gerade in einer Liga, in der zwischen drei Punkten und einer langen Heimfahrt mit hängenden Köpfen manchmal nicht viel mehr als ein schnell ausgeführter Freistoß, ein Zupfer am Trikot oder ein verlorener Zweikampf liegt.
Und genau so ein Spiel könnte die Elf vom Junkerberg am kommenden Sonntag in Lindern erwarten. Dort wartet mit der Reserve der Unioner ein weiterer Aufsteiger, der ebenfalls noch nicht so recht weiß, wie in dieser neuen Liga der Hase läuft. Wobei die Jungs aus Würm-Lindern zumindest schon einmal wissen, wo das Tor steht. Mit drei Niederlagen aus drei Spielen und elf Gegentoren wissen sie allerdings ebenso ziemlich genau, wo ihre eigene Schwachstelle liegt.
Gegen Mitaufsteiger Granterath setzte es ein 1:3, gegen Schwanenberg und die Zweitvertretung aus Uevekoven, immerhin derzeit Tabellenführer, jeweils ein 3:4. Das klingt auf den ersten Blick nach einer Mannschaft, die vorne ordentlich Alarm machen kann, hinten aber offenbar die Schotten nicht dicht bekommt.
Und genau da könnte die Chance für die Viktoria liegen. Das erste Tor lässt noch auf sich warten und Lindern bietet hinten augenscheinlich gerne etwas an. Viel mehr Einladung geht also nicht. Jetzt müsste nur noch einer unserer Jungs so freundlich sein und sie annehmen.
Für die Mannschaft von Trainer Thorsten Berg dürfte die Partie ohnehin ein kleiner Fingerzeig werden. Nicht, weil nach drei Spieltagen bereits irgendetwas entschieden wäre. Dafür ist die Saison noch viel zu jung. Aber weil man gegen einen Aufsteiger wie Lindern durchaus auf Augenhöhe unterwegs sein dürfte und sich nun zeigen kann, ob aus dem bisher ordentlichen Auftreten auch endlich etwas Zählbares wächst.
Dafür braucht es die Dynamik und den Einsatzwillen aus dem Kleingladbach-Spiel. Dazu ein bisschen mehr Dreck unter den Fingernägeln, etwas weniger Ehrfurcht und hoffentlich endlich die Erlösung von der eigenen Torarmut.
Wenn das alles zusammenkommt, könnte es am Sonntag tatsächlich etwas zu feiern geben. Die ersten Tore. Die ersten drei Punkte. Dann hätte sie endlich begonnen, die Saison am Junkerberg. Und zwar richtig.
Stephan Epple