Ein Dorf – ein Team

FC Viktoria Doveren e.V.

 
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Vom 528-Hertz-Traumpass über Bratwurstdurst bis zum verdienten Punktgewinn

Butterweich flog das runde Spielgerät vom Fuß unseres linken Innenverteidigers Marius „Radio“ Mickels, als hätte er seine innere Frequenz für einen seltenen Moment vom permanenten 3.500-Hertz-Gezirpe auf die tiefenentspannenden 528 Hertz heruntergeregelt. Über gut 30 Meter segelte das Ding in den Kleingladbacher Strafraum, direkt auf den völlig blank stehenden Lars Rumpf zu, der den Ball mit durchaus anspruchsvoller Technik aus der Luft pflückte und Richtung Tor bugsierte.

 

Für einen kurzen, geradezu unverschämt meditativen Augenblick übertrug sich die Ruhe des Mickelsschen Passes sogar auf die Zuschauerränge im Baaler Ausweichstadion. Kein Geschrei, kein Fluchen, kein Bratwurstgeschmatze. Alle starrten auf diesen Ball, als würde der Heiland höchstpersönlich vom Himmel steigen, während er sich dem Gästegehäuse näherte und für einen kurzen Moment tatsächlich so aussah, als würde er seinen Weg ins Glück finden.

 

Tat er natürlich nicht.

 

Kurz vor dem Einschlag strich die Kugel knapp am rechten Pfosten vorbei und verschwand im Toraus. Ein Tor, das eigentlich schon halb auf dem Konto stand, wurde so in letzter Sekunde wieder aus der Statistik gestrichen.

 

Dann pfiff Schiedsrichter Heiko Holz zur Halbzeit. Schrill, hochfrequent und vermutlich irgendwo bei gefühlten 10.000 Hertz. Der gut leitende Referee riss die Fans der Elf vom Junkerberg damit ebenso rücksichtslos wie endgültig aus ihrer kurzzeitigen Hoffnungstrance. Zurück blieben nur Haareraufen, ungläubiges Kopfschütteln, die üblichen Verwünschungen des Fußballgottes Richtung dunkler werdenden Himmel und die Einsicht, dass der Ball offenbar beschlossen hatte, heute auch nicht ins Tor zu gehen.

 

Was die beiden Teams in den vorangegangenen 45 Minuten bereits ablieferten, entlockte selbst dem eher kritisch eingestellten Bratwurststand ein anerkennendes Kopfnicken.

 

Aufgrund der späten Anstoßzeit wich man vom Junkerberg ins Stadion der Nachbarn vom SV Baal aus. Diese durchaus ehrenvolle Aufgabe der Gastgeberschaft veranlasste die Baaler dazu, kurzerhand den Getränkeservice zu übernehmen, sodass der Viktoria lediglich der Verkauf des leckeren Grillguts blieb. 

 

Aber kein Problem für Grillmaster Sascha Gers. Seine deliziösen Bratwürste und kraftvollen Krakauer pries er dem durstigen Publikum mit einem Werbespruch an, der der Marketingabteilung irgendeines hippen Start-ups in Hamburg-Altona vermutlich die Freudentränen in die Augen getrieben hätte: 

 

„Ändy, trink doch mal ’ne Wurst!“

 

Dieser kurze humoristische Ausflug soll jedoch nicht vom eigentlichen Geschehen dieses lauen Septemberabends ablenken. Denn die Jungs von Trainer Thorsten Berg setzten nach dem enttäuschenden Saisonauftakt in Katzem ein völlig anderes Gesicht auf und bereiteten dem Favoriten aus Kleingladbach von Anfang an einige Schwierigkeiten.

 

Mit der gewählten Tannenbaumtaktik im 4-3-2-1 kam die andere Viktoria zunächst überhaupt nicht zurecht. Immer wieder eroberten die Rumpf-Brüder zusammen mit Tobi Sagert, der nach einer Viertelstunde durch den danach ebenfalls stark spielenden Stefan Röhrnbeck ersetzt wurde, den Ball und nutzten die entstehenden Räume zu kleinen, aber durchaus schmerzhaften Nadelstichen nach vorne.

 

 Trainer Thorsten Berg hochkonzentriert an der Seitenlinie und mit der richtigen Taktik für seine Jungs. 

 

Das Fehlen von Mittelstürmer Jason Rebing am vergangenen Sonntag fiel gestern Abend dabei umso stärker ins Gewicht. Als Ballhalter und Wandspieler war er meist erste Anspielstation für die Mittelfeldspieler und ermöglichte längere und ansehnliche Ballstafetten. Auch das Einsetzen der beiden Schienenspieler Elia Rohloff und Jordan Sosnowski klappte besser und bereitete den Kleingladbachern einige Mühen. Leider blieb der berühmte letzte Pass zu oft in der gegnerischen Abwehr hängen, sodass einzig die hundertprozentige Chance von Lars Rumpf kurz vor dem Halbzeitpfiff als wirklich erwähnenswerte Möglichkeit blieb.

 

In Abschnitt zwei änderte sich jedoch allmählich die Marschroute. Kleingladbach ließ seine spielerische Klasse mehr und mehr aufblitzen und drängte in Richtung Doverener Tor. Doch unsere Abwehr mit Chris Kohnen, „Radio“ Mickels, Skipper Chris und Fabian Goertz stand sicher und sattelfest. Und wenn doch einmal ein Ball durchrutschte, war auf unseren lautstarken und gut antizipierenden Keeper Daniel Kuhnen Verlass.

 

So lebte das Spiel von seiner hohen Intensität und Spannung bis in die Schlusssekunden. Der Lucky Punch auf Heim- wie auf Gästeseite blieb zwar aus, doch nach dem Abpfiff konnte man, vor allem wenn man es mit der einzig wahren Viktoria aus Doveren hielt, durchaus von einem verdienten Punktgewinn sprechen.

 

Es war ein Schritt in die richtige Richtung für die junge Elf von Trainer Berg. Und wenn es am Sonntag beim nächsten Heimspiel am Junkerberg dann auch noch mit dem Toreschießen klappt, werden bestimmt auch wieder viele Bratwürste getrunken.

 

Kuhnen - Kohnen, C. Goertz, Mickels, F. Goertz (78. S. Goertz) - Sagert (13. Röhrnbeck), T. Rumpf, L. Rumpf, Sosnowski (89. Bieonuma), Rohloff (69. Korkmaz) - Rebing (74. Nolte)

 

Stephan Epple

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Veröffentlichung

Do, 03. September 2026