Ein Dorf – ein Team
FC Viktoria Doveren e.V.
FC Viktoria Doveren e.V.
Im Fußball gibt es für fast alles eine Floskel. Für das zweite Jahr natürlich auch. Das soll nämlich das schwerste sein. Im ersten Jahr ist alles noch schön. Aufstieg, Euphorie, neue Gegner, neue Plätze, neue Bratwurst. Man kommt irgendwo an und alle finden das irgendwie inspirierend. Die Mannschaft läuft, die Leute klatschen und plötzlich glaubt der halbe Verein, dass man eigentlich viel zu gut für diese Liga ist.
Dann ist das erste Jahr vorbei.
Die Euphorie hat sich verzogen, irgendwo zwischen Winterpause und erstem Spielerabgang. Die Gegner wissen inzwischen auch, wie man gegen uns spielt. Und der eine oder andere Spieler, der sich im neuen Umfeld ganz ordentlich in Szene gesetzt hat, hört plötzlich sehr aufmerksam zu, wenn irgendein anderer Verein von neuen Möglichkeiten, Perspektiven und vermutlich auch einer ganz großen Zukunft erzählt. Meistens gibt es dazu noch ein paar Versprechungen, die ungefähr so belastbar sind wie ein Kreisliga-Rasen nach drei Tagen Dauerregen.
Und weg ist er.
Für unsere Viktoria beginnt das zweite Jahr in der Kreisliga B deshalb ein bisschen anders als das erste. Es ist nicht einfach die Fortsetzung der Aufstiegsgeschichte. Es ist eher ein Neustart. Nach dem großen Aderlass und dem Weggang einiger Leistungsträger mussten sich die Grün-Weißen auf zahlreichen Positionen neu sortieren. Für viele der jungen Spieler fühlt sich die Kreisliga B deshalb fast wieder wie ein Aufstieg an. Nur ohne Aufstiegsfeier.
An der Seitenlinie steht mit Thorsten Berg ein neuer Trainer. Neue Spielphilosophie, neues Engagement und vor allem eine ziemlich große Aufgabe. Er muss eine Mannschaft aus jungen, hungrigen Spielern an die Welt des Seniorenfußballs heranführen. Und diese Welt ist bekanntlich nicht immer besonders zimperlich. Hier wird nicht jeder Zweikampf vorher pädagogisch aufgearbeitet.
In der Vorbereitung haben die jungen Burschen jedenfalls schon einmal gezeigt, dass sie nicht nur dabei sein wollen. Chris Kohnen, Malik Korkmaz, Lars Rumpf, Mats Allwicher und Mattis Gers, gerade einmal 17 oder 18 Jahre alt, haben sich mit guten Leistungen in den Kader der Ersten gespielt. Der eine oder andere könnte zum Saisonauftakt in Katzem gegen die SG Holzweiler-Katzem sogar schon in der Startelf landen. Was ungefähr dem entspricht, was man im Profifußball als kometenhaften Aufstieg bezeichnen würde. Bei uns nennt man es: Der Junge ist halt gut.
Auch Jordan Sosnowski aus der Erkelenzer Jugend ist neu dabei. Und im Tor steht mit Daniel Kuhnen aus Lövenich ein neuer Rückhalt. Dazu kommen mit Andy Lewezki, Fabian Goertz, Gilbo Ryssen, Bene Schmitz und Elia Rohloff Spieler, die zwar ebenfalls noch nicht zum alten Eisen gehören, aber inzwischen wissen, dass ein Kreisliga-Spiel auch einmal weh tun kann. Sie können den jungen Hüpfern zeigen, wann man besser den Ball spielt und wann man besser die Beine einzieht.
Und dann sind da noch die alten Hasen. Chris und Simon Goertz, Marius Mickels, Stefan Röhrnbeck und Tobi Sagert. Bei ihnen liegt ein Teil der Verantwortung, das weiterzugeben, was man nicht in einer Taktiktafel findet. Den Geist des Junkerbergs. Die Einstellung. Und die Erkenntnis, dass es einen Unterschied macht, ob man für irgendeinen Verein spielt oder für unsere Viktoria.
Denn am Ende geht es darum, irgendwie durch dieses zweite Jahr zu kommen. Die Klasse zu halten. Sich nicht verrückt machen zu lassen. Und vielleicht nebenbei noch die eine oder andere Mannschaft zu ärgern, die sich für etwas Besseres hält.
Die erste Gelegenheit dazu gibt es schon am Sonntag.
Die SG Holzweiler-Katzem wartet. Die starke Offensive muss in den Griff bekommen werden. Viel verändert hat sich beim Gegner nicht. Neuer Trainer, Philipp Schroeder, ansonsten kennt man das Personal und damit auch die Probleme, die es verursachen kann. Schnelle Außenspieler, dazu mit Marc von Roßum ein Mittelstürmer, der vermutlich wenig Interesse daran hat, uns einen entspannten Nachmittag zu bescheren.
Also heißt es: hinten dicht, vorne Nadelstiche setzen und hoffen, dass diese nicht aussehen wie harmlose Streicheleinheiten.
Denn ganz sattelfest wirkt die Abwehr der SG nicht immer. Und wenn es der Viktoria gelingt, das auszunutzen, könnte am Ende tatsächlich etwas passieren, womit vor dem Spiel vielleicht nicht jeder rechnet: ein Punkt oder sogar mehr.
Dann geht es zurück zum Junkerberg.
Und am Mittwoch, dem 2. September, steht bereits das erste Heimspiel an. Und als hätte sich irgendjemand gedacht, dass ein leichter Einstieg langweilig wäre, kommt mit der Viktoria aus Kleingladbach gleich der erste echte Gradmesser. Die Kleingladbacher haben in der vergangenen Saison lange um den Aufstieg mitgespielt und werden kaum zum Junkerberg kommen, um sich unsere neue Mannschaft in Ruhe anzusehen.
Mit unseren treuen Fans im Rücken kann dieses Heimspiel aber auch Kräfte freisetzen, die den Kleingladbachern ziemlich schnell zeigen, dass der Junkerberg kein Ort ist, an dem man sich die Punkte einfach abholt.
Aber auch Rückschläge wird es geben. Das ist klar. Gerade bei einer jungen Mannschaft sind sie so sicher wie der obligatorische Spruch vom schweren zweiten Jahr. Es wird Spiele geben, in denen nichts funktioniert, Zweikämpfe verloren gehen und man sich fragt, warum man sich diesen ganzen Mist eigentlich jeden Sonntag antut. Gerade dann muss die Viktoria-Familie zusammenstehen.
Und dann gibt es hoffentlich wieder die anderen Spiele.
Die, bei denen plötzlich alles passt. Die jungen Spieler rennen, die alten treiben sie an, einer grätscht irgendwo dazwischen einen Ball weg und am Bierausschank beginnt jemand schon zehn Minuten vor Schluss darüber nachzudenken, wo man eigentlich nächstes Jahr in der Kreisliga A hinfahren könnte.
Ganz so weit sind wir noch nicht.
Erst einmal beginnt das zweite Jahr.
Und wenn wir es gemeinsam angehen, mit Leidenschaft, ein bisschen Wahnsinn und dem nötigen Grün-Weiß im Herzen, dann kann auch dieses Jahr am Junkerberg eine ziemlich interessante Geschichte werden. Ein Dorf - ein Team!
Stephan Epple