Ein Dorf – ein Team
FC Viktoria Doveren e.V.
FC Viktoria Doveren e.V.
Irgendwie ist ein Fußballnachmittag in sämtlichen Dörfern, Bezirken, Landkreisen und Städten dieses Landes immer dasselbe Szenario. Warum sollte es auf unserem Junkerberg anders sein als in Castrop-Rauxel, Hoyerswerda, Ansbach oder Berlin?
Man blickt auf ein witterungsbedingt eher trauriges, braunes Etwas, das vor einigen Wochen noch ein saftig grünes Spielfeld war, aber trotz der vertrockneten Oberfläche doch noch vollkommener aussieht als zuvor. Die Elf vom Junkerberg wird beim Aufwärmen begutachtet, die Chancen gegen den haushohen Favoriten werden taxiert. Die Hoffnung auf eine Überraschung steigt wider jede Vernunft. Alles ist angerichtet für einen kurzweiligen Sonntag.
Man trifft sich mit Freunden, Nachbarn und Fans am Ausschank und vermeidet dabei auch nicht die eine oder andere Frotzelei. So erfreuen sich Sprüche über die Körperunwuchten der in die Jahre gekommenen Altstars großer Beliebtheit. Jedoch werden diese gleichzeitig auch mit respektvollen Blicken gewürdigt. Es wurde halt viel Geld in so manche Statur investiert.
Doch irgendwann geht es bei einem solchen Sonntagnachmittag um die wirklich wichtigen Dinge.
Die Currywurst blubbert heiß und anbetungswürdig in ihrer Soße auf dem Grill. Der Kühlschrank ist prall gefüllt mit Köstlichkeiten aus der Region und aus Übersee. Öffnet man selbigen, quillt eine Wolke kalter, kondensierter Luft heraus, wirbelt kurz hoch und sinkt wieder ab. Das Ploppen der Altbierflaschen klingt wie die Jazzplatten von den Heath Brothers. Die sprühenden Bläschen prickeln auf dem Handrücken, nachdem der Prototyp des grün-weißen Ultra mit seinen Maurerhänden, die einem Rottweiler ohne große Mühe die Kehle zudrücken könnten, nach der Flasche gegriffen hat.
Und spätestens jetzt landet man bei der großen, allzeit wiederkehrenden und philosophisch diskutierten Frage nach dem Warum. Warum gehst du eigentlich zum Fußball?
Ein Rülpser donnert aus voller Kehle heraus, klingt wie der Schrei eines zornigen Esels, und die Antwort darauf ist denkbar einfach:
Ist doch Sonntag.
Ja, so ist es.
Und diesmal ist die Dramaturgie dieses Sonntags schnell erzählt. Gegen die favorisierte Truppe aus Dremmen setzte unser Interimscoach Dennis Krieger, der den urlaubsbedingt fehlenden Thorsten Berg in der ersten Runde des Kreispokals vertrat, voll auf die Jugend. Mit Malik Korkmaz, Thorben Rumpf, Lars Rumpf und Jordan Sosnowski gaben gleich vier unter Zwanzigjährige ihr Startelfdebüt in einem Pokalspiel für die Viktoria.
Und die Jungs enttäuschten die rund 100 Zuschauer auf dem Junkerberg nicht. Geführt von den Routiniers Chris Goertz, Marius Mickels und Tobi Sagert stemmten sie sich gegen die dominierenden Rheinländer. Für Sicherheit und Ruhe in den Aktionen der starken Abwehr sorgte auch unsere neue Nummer 1, Daniel Kuhnen, der mit seiner Erfahrung manch heiße Situation schnell abkühlte.
Und hätte Lars Rumpf einen Konter nach etwa zwanzig Minuten im Tor untergebracht, wären die Gäste aus Dremmen wohl noch verzweifelter angelaufen, als sie es ohnehin schon in der gesamten ersten Hälfte taten. Mit großem Kampfgeist und mannschaftlicher Geschlossenheit hielten die Jungs vom Junkerberg die Null bis zum Halbzeitpfiff des sehr gut leitenden Schiedsrichters David-Markus Koj.
Es lag eine kleine Sensation in der Luft und die Hoffnung auf einen Überraschungscoup stieg minütlich. Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit hielt die Kompaktheit der Doverener den Angriffen des TuS stand. Dremmen fiel nicht allzu viel Zwingendes ein. Aber wie so oft in solchen Begegnungen ist dem Underdog das Glück nicht immer hold. Standardsituationen entscheiden dann solche chancenarmen Partien meist für den Favoriten. Eine kleine Unaufmerksamkeit nach einem Freistoß für Dremmen sorgte nach 54 Minuten für die Führung. Schmalfuß traf per Kopf.
Trotz des unglücklichen Rückstands behielt die Viktoria ihre Ordnung und ließ im weiteren Spielverlauf nicht viel zu. Allerdings mussten einige Spieler den körperlichen Anstrengungen des Spiels Tribut zollen. So musste Innenverteidiger Marius Mickels nach knapp einer Stunde aufgrund von Leistenbeschwerden den Platz verlassen.
Hinter vorgehaltener Hand machte jedoch mancher die exzessive LAN-Party am Vortag im Hause Mickels für die Abkömmlichkeit unseres Radiomanns nach zwei Dritteln des Spiels verantwortlich. Tja, bei einem halben Dutzend Kerle auf zwölf Quadratmetern kann es schon mal heiß hergehen.
Das war eigentlich auch schon der letzte Höhepunkt des Spiels. Es plätscherte nur noch so dahin. Am Ausschank wurden die letzten Würste vertilgt, die Sprachgestaltung der Ultras wurde langsamer und zunehmend schwieriger verständlich, die allgemeine Zufriedenheit mit der dargebotenen kämpferischen Leistung der Elf vom Junkerberg jedoch anerkennend zum Ausdruck gebracht.
Und als Schiedsrichter Koj nach knapp 94 Minuten abpfiff, wusste so mancher, dass auch dieser Sonntag wieder mal nicht vergeudet war.
Kuhnen – Korkmaz, C. Goertz, Mickels (58. Bieonuma), F. Goertz – Sosnowski (81. B. Gruntmann), T. Rumpf (75. Garcia), L. Rumpf, Sagert (69. Nolte), Rohloff – Rebing
Stephan Epple