Ein Dorf – ein Team
FC Viktoria Doveren e.V.
FC Viktoria Doveren e.V.
Der Himmel spannte sich letzten Samstag wolkenlos über den Junkerberg. Dreißig Grad. Die Sonne brannte erbarmungslos auf den Rasen. Unglaublich heiß war es, doch für Abhilfe wurde gesorgt. Es gab kalte Getränke, Leckeres vom Grill, eine Kuchentheke, an der man unmöglich einfach vorbeigehen konnte, und Eis, das schneller verschwand, als es schmelzen konnte.
Zum letzten Mal feierte unsere Viktoria ihr weit über die Dorfgrenzen hinaus bekanntes Sommerfest auf Naturrasen. Und wie so oft zeigte sich, dass ein Verein weit mehr ist als neunzig Minuten Fußball am Wochenende.
Oben auf dem Junkerberg traf sich gefühlt das halbe Dorf. Freunde, Vereinskameradinnen und Vereinskameraden, Nachbarn, ehemalige Spieler, Kinder, Oma, Opa, Hund, Katze und Maus. Es wurde gelacht, gefrotzelt und über Fußball, Urlaub oder das Wetter diskutiert. Dieselben Geschichten wie im vergangenen Jahr wurden erzählt und trotzdem lachten alle wieder darüber.
Die kleinsten Gäste kaperten eine riesige Piratenhüpfburg, die selbst Anne Bonny vor Neid hätte erblassen lassen. Danach ging es direkt in die mit eiskaltem Wasser gefüllten Bottiche. Wer einmal hineingesprungen war, kam mit einem kurzen Schrei und einem breiten Grinsen wieder heraus. Vermutlich hätte selbst Per Mertesacker anerkennend genickt.
Doch nicht nur das leibliche Wohl stand im Mittelpunkt. Natürlich wurde auch gespielt. Die traditionelle Dorfmeisterschaft auf dem Kleinfeld gehörte ebenso dazu wie das inzwischen etablierte Kubb-Turnier, das sich längst vom netten Zeitvertreib zu einer kleinen Dorfmeisterschaft eigener Art entwickelt hat.
Die Schützen, die Pink Panther, Die Thekis, die Muttersöhnchen, das Kubb-Kommando und die Duevere Holzhähne mit Huhn kämpften in zwei Gruppen um den Einzug ins Halbfinale. Was auf den ersten Blick nach einem lockeren Wurfspiel aussah, entwickelte sich schnell zu einem ehrgeizigen Schlagabtausch auf höchstem Niveau. Mit jedem Spiel wurden die Gesichter ernster. Jeder Treffer wurde gefeiert wie ein Last-Minute-Tor, jeder Fehlwurf ausführlich mit dem unebenen Rasen oder einer Windböe erklärt. Selbst die interessantesten Wurftechniken wurden anerkennend honoriert.
Nach hochklassigen Begegnungen zogen die Schützen, die Pink Panther, das Kubb-Kommando und die Holzhähne ins Halbfinale ein. Die Zuschauer rückten näher an das Spielfeld heran, denn inzwischen war jedem klar, dass hier mehr auf dem Spiel stand als ein paar umgeworfene Holzklötze.
Im Finale warteten schließlich die Schützen auf das Kubb-Kommando. Dort zeigte das Kubb-Kommando - bestehend aus dem Duo Juliana Görtz und Mike Topka - noch einmal eindrucksvoll, warum es sich im Laufe des Tages vom Geheimfavoriten zur dominierenden Mannschaft des Turniers entwickelt hatte.
Mike Topka beeindruckte weniger durch große Gesten als durch seine beinahe stoische Ruhe. Bekannt introvertiert, ohne ausschweifende Reden und überflüssige Worte folgten große Taten. Er nahm das Wurfholz in die Hand, visierte sein Ziel an und ließ einen Kubb nach dem anderen fallen. Neben ihm spielte seine kongeniale Partnerin Juliana Görtz mit beeindruckender Präzision. Ihre Würfe trafen mit einer Selbstverständlichkeit ins Ziel, die den Gegnern mit jeder Runde ein Stück mehr den Glauben an einem Sieg nahm.
Am Ende fiel der König. Großes Spektakel. Kein Feuerwerk. Aber riesiger Applaus für eine Mannschaft, die sich den Turniersieg mit spielerischer Klasse und bemerkenswerter Nervenstärke verdient hatte. Glückwunsch!
Parallel zum Kubb richteten sich die Blicke auf den benachbarten Platz. Nur schwerlich konnten die Zuschauer vom Kubb-Turnier loslassen, jedoch erwies sich das Fußballturnier auch als zusätzlicher Augenfang.
In der gleißenden Mittagssonne wurde um nichts Geringeres als die Ehre gespielt. Im Modus Jeder-gegen-Jeden ging es um den Titel des Dorfmeisters. Ein Titel, der seinen Träger berechtigt, sich ein ganzes Jahr lang mit stolzgeschwellter Brust durch Doverhahn und Doverheide zu bewegen, über den Markt zu flanieren und selbst unten an der Rur oder am Gut Grittern so zu grüßen, als hätte man gerade den Henkelpott nach Hause gebracht.
Schon das Teilnehmerfeld versprach großes Kino. Der FC Gurkentruppe, FC Biercelona, Dynamo Doveren, die Rumpf(s)truppe, Don Promillo und die Doverener Urgesteine lasen sich wie das Teilnehmerverzeichnis einer leicht alkoholisierten Selbsthilfegruppe ehemaliger Wunderkinder des Fußballs. Allesamt Spieler, die es nach eigener Überzeugung mindestens bis in die Bundesliga geschafft hätten. Manche wären heute wohl Weltmeister oder Ballon-d'Or-Gewinner, wäre ihnen nicht mit siebzehn Jahren diese verflixte Schambeinentzündung dazwischengekommen. Ein Schicksalsschlag, der in Dorfkneipen bis heute mindestens so häufig erwähnt wird wie das Wetter.
Gespielt wurde mit einer Ernsthaftigkeit, die in einem bemerkenswerten Gegensatz zu den Mannschaftsnamen stand. Jeder Zweikampf wurde geführt, als säßen Bundestrainer und Scouts auf der Tribüne. Jeder Treffer wurde bejubelt wie ein Last-Minute-Sieg im Pokalfinale. Und jeder vergebene Ball wurde selbstverständlich auf den holprigen Rasen, den Wind oder die blendende Sonne geschoben.
Für viele überraschend, für die wahren Experten allerdings von Beginn an absehbar, setzten sich am Ende die Doverener Urgesteine durch. Jahrzehntelange Erfahrung gab den Ausschlag. Ob diese auf dem Fußballplatz gesammelt wurde oder doch eher am Tresen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Mit einer Mischung aus Tiki-Taka, Rasenschach und Laufwegen, die eher ökonomisch angelegt waren, spielten sie sich verdient zum Dorfmeister.
Dass dieser Triumph anschließend nicht nur ausgiebig gefeiert, sondern auch standesgemäß begossen wurde, versteht sich beinahe von selbst.
Zum Siegerteam gehörten Sebastian Muth, Dennis Krieger, Torsten Mäker, eigens aus Amsterdam angereist, Sascha Gers, Julian Hickmann, Stefan Stratmann, Tobi Sagert, Daniel Horn, Louis van Zanten, Jens Rebing, Marius Mickels und Stefan Röhrnbeck.
Der eigentliche Höhepunkt des Nachmittags sollte jedoch erst noch folgen. Das Einlagespiel zwischen den Schützen und der Feuerwehr versprach schon vor dem Anpfiff beste Unterhaltung. Und was lässt sich über eine Begegnung sagen, für die einem eigentlich die passenden Worte fehlen, ohne gleich in Superlativen zu verfallen?
Es war jedenfalls nicht dieses berühmte Gefühl, einen Verkehrsunfall zu beobachten, bei dem man eigentlich wegsehen müsste und trotzdem nicht kann. Auch wenn der eine oder andere Sprint, manche Grätsche und der ein oder andere Richtungswechsel den Zuschauern kurz die Sorge ins Gesicht trieben, dass Kreuzbänder und Knochen heute Schwerstarbeit leisten müssten.
Nein, dieses Spiel war auf seine ganz eigene Art wunderbar.
Würde der Auftritt beider Mannschaften in einem Schulzeugnis bewertet, stünde dort vermutlich: Sie waren stets bemüht. Und genau darin lag sein Zauber.
Es war ein munteres Hin und Her. Tore fielen aus dem Nichts. Angriffe endeten manchmal schon an der eigenen Kondition. Sprints wurden nach den ersten Metern zu zügigen Spaziergängen und so manche Grätsche wirkte weniger wie der ernsthafte Versuch, den Ball zu erobern, sondern vielmehr wie eine spontane Ruhephase für den eigenen Körper.
Es war Fußball in seiner vielleicht ehrlichsten Form. Ohne Taktiktafeln, ohne Videobeweis und ohne Hydration Break. Dafür mit jeder Menge Herz, Selbstironie und dem festen Willen, den nächsten Muskelkater gemeinsam zu ertragen.
Als nach regulärer Spielzeit noch keine Entscheidung gefallen war, musste das Elfmeterschießen her. Und dort betrat einer die Bühne, der sich seinen Platz in den Dorfannalen redlich verdiente.
Schützenkeeper Udo Thönissen verwandelte sich plötzlich in eine Mischung aus Oliver Kahn, Gianluigi Buffon und einer Raubkatze. Mit spektakulären Paraden fischte er die Bälle aus allen Ecken und avancierte zum gefeierten Helden des Tages. Der Jubel kannte keine Grenzen, der Sieg der Schützen war perfekt.
So neigte sich der Nachmittag langsam seinem Ende entgegen. Die beinahe unerträgliche Hitze des Tages wich endlich den angenehm kühlen Temperaturen eines Sommerabends. Das Fest wurde ruhiger, aber keineswegs leiser.
Der harte Kern der Feiernden hatte sich längst, fast wie an einem Lagerfeuer, nur eben ohne Feuer, im Kreis versammelt. In ihrer Mitte saß einer, der keinen Verstärker brauchte und dessen Geschichten ohnehin lauter waren als jede Musikanlage. Marius Mickels, nicht erst seit letztem Samstag als Radio Mickels bekannt, hatte das Wort. Und wer ihn kennt, weiß, dass man ihm dieses nicht so schnell wieder abnimmt.
Mit unerschöpflicher Ausdauer erzählte er von legendären Mallorcafahrten, fragwürdigen Heldentaten, kuriosen Trainingseinheiten und privaten Exzessen.
Der eine oder andere kämpfte schon seit Stunden tapfer gegen die Müdigkeit. Die Augen wurden schwer, das Gähnen häufiger und der Blick wanderte immer öfter Richtung Uhr. Doch kaum schien eine Geschichte zu Ende zu sein, legte Radio Mickels die nächste nach.
Erst kurz vor Mitternacht verstummte schließlich auch Doverens Nummer 13. Die letzten Gläser wurden geleert, die letzten Stühle zusammengestellt und die letzten Liebesbekundungen wurden ausgesprochen. Langsam machten sich die Feiernden auf den Heimweg.
Und so klang ein Sommertag aus, wie ihn nur unsere Viktoria schreiben kann. Mit guten Freunden, unzähligen Geschichten und dem schönen Gefühl, dass der wunderbare Junkerberg ein Ort ist und bleibt, an denen die Zeit für ein paar Stunden einfach langsamer vergeht. Irgendwo zwischen Bierdurst, Grillduft und dem Echo von Radio Mickels, dessen liebliche Stimme dem einen oder anderen noch bis tief in den Schlaf nachhallte.
Stephan Epple
Mo, 10. August 2026
Kreispokal; 1. Runde: Viktoria Doveren - Rheinland Dremmen