Ein Dorf – ein Team
FC Viktoria Doveren e.V.
FC Viktoria Doveren e.V.
Also gut. Letzte Auswärtstour der Saison. Noch einmal raus aus Doveren, rüber auf die Schäl Sick nach Hilfarth. Derbytag. Nichts mehr zu gewinnen, nichts mehr zu verlieren. So ein Spiel, bei dem es offiziell um nichts geht und trotzdem jeder genau weiß, dass er am Montag nicht derjenige sein will, der sich die Sprüche anhören muss.
Das Wetter hatte sich über Nacht zusammengerissen. Nach den klebrigen Pfingsttagen und der Hitze, die einem selbst im Schatten die Luft aus den Lungen zog, hatte ein Gewitter den Himmel abgekühlt. Der Rasen dampfte noch ein bisschen vor sich hin. Perfekt für neunzig Minuten Fußball und alles, was dazugehört.
Von Beginn an wirkte es allerdings so, als hätte nur eine Mannschaft wirklich verstanden, dass Derby war.
Die Viktoria spielte, als wäre ihr eine Last von den Schultern gefallen. Der Klassenerhalt war ja schon vor Wochenfrist eingetütet, niemand musste mehr rechnen, niemand mehr zittern. Also wurde Fußball gespielt. Richtiger Fußball. Mit Mut, mit Tempo, mit Lust auf den Ball.
Hilfarth durfte ihn erstmal haben. Die Gastgeber schoben ihn hin und her, als würden sie irgendwo auf eine zündende Idee warten. Gefunden haben sie keine. Und wenn doch mal etwas Gefährliches entstand, stand da Miguel da Silva. Der Vertreter von Erik Engel hatte einen dieser Nachmittage erwischt, an denen einfach alles funktioniert. Er flog durch seinen Strafraum, fischte Bälle aus Ecken, für die man bis in alle Ewigkeiten seine Augen küssen sollte.
Während die Jahner mit sich selbst beschäftigt waren, wartete Doveren geduldig auf Fehler. Und die kamen.
Nach einer Viertelstunde herrschte kurz Verwirrung in der Hilfarther Hintermannschaft. So ein Nimm-Du-Ihn-Ich-Hab-Ihn-Sicher-Moment. Elia Rohloff bedankte sich höflich, schnappte sich das Geschenk und schob zum 1:0 ein.
Von da an bekam das Spiel eine Richtung.
Die Viktoria drückte. Nicht wild, nicht hektisch. Eher wie jemand, der genau weiß, dass die Tür irgendwann aufgeht, wenn er nur lange genug dagegen klopft. Angriff um Angriff rollte auf das Tor des TuS zu. Schließlich wurde Philipp Morr im Strafraum gelegt. Klare Sache. Elfmeter.
Julian Hickmann trat an. Der Ball flog. Nur nicht ins Tor. Stattdessen donnerte er an die Latte und sprang zurück ins Feld. Für einen Moment lag kurze Ernüchterung in der Luft. Dieser Gedanke, dass sich so etwas manchmal rächt. Doch Doveren hatte an diesem Tag andere Pläne.
In der 36. Minute wurde eine scharfe Hereingabe nur halbherzig abgewehrt. Der Ball landete bei Rohloff und er musste ihn nur noch über die Linie drücken. 2:0. Hilfarth wirkte angeschlagen.
Und kurz vor der Pause kam der nächste Schlag.
Ozzy Yesil bekam den Ball gut achtzehn Meter vor dem Tor. Ein Blick. Ein Schuss. Der Ball zog ins lange Eck. 3:0. Pause.
Auf den Gesichtern der Hilfarther lag diese Mischung aus Frust, Ratlosigkeit und dem Wunsch, dass die Schiedsrichterin vielleicht versehentlich schon neunzig Minuten gepfiffen hat. Doveren dagegen wirkte leicht. Selbstbewusst. Wach.
Die Jungs vom Junkerberg hatten dem Derby ihren Stempel aufgedrückt und ließen keinen Zweifel daran, wer an diesem Nachmittag die bessere Mannschaft war.
Aber was danach passierte, ist schwer zu sagen.
Irgendwann wurde der Pausentee serviert. Irgendwo wurden Schnitzel verkauft. Irgendwer brachte noch eine Runde Gerstensaft. Die Sonne schob sich hinter Wolken, kam wieder hervor und verschwand erneut. Menschen liefen über einen Fußballplatz. Bälle wurden geschossen. Der übliche Kreisliga-Kick.
Die genaue Reihenfolge der Ereignisse ist allerdings verloren gegangen.
Vielleicht lag es daran, dass nach dieser ersten Halbzeit niemand ernsthaft damit rechnete, noch überrascht zu werden. Vielleicht lag es daran, dass Fußball manchmal ein merkwürdiges Spiel ist. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass die Gesprächsthemen am Spielfeldrand interessanter als das eigentliche Spiel waren.
Wie auch immer.
Der Verfasser dieser Zeilen verließ Hilfarth jedenfalls mit dem festen Eindruck, eine der besten Halbzeiten der Viktoria in dieser Saison gesehen zu haben. Und manchmal reicht das völlig aus. Alles andere können die Statistiker klären. Die haben schließlich den ganzen Spaß an Zahlen. Und ob das Ding jetzt 3:0, 3:1 oder 3:4 ausgegangen ist, interessiert morgen sowieso schon keinen mehr.
da Silva - Müller (78. C. Goertz), Hickmann, S. Goertz, van Zanten - Morr, Sagert (17. Lewezki), Yesil, Rohloff, Marcos - Köse (48. Nolte)
Stephan Epple
Mo, 10. August 2026
Kreispokal; 1. Runde: Viktoria Doveren - Rheinland Dremmen