Ein Dorf – ein Team

FC Viktoria Doveren e.V.

 
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Romantisch in den Fußballherbst: Eichendorff meets Viktoria

Hat man nach gefühlt 150.000 Schritten endlich auch dieses letzte Hindernis überwunden, dieses hässliche, stufenartige Ungetüm aus Gitterrost, eine Treppe, die eher einer schlecht gelaunten Himmelsleiter gleicht, steht man plötzlich dort, wo man hinwollte: auf dem Feld der Träume.

 

Am Horizont blitzt die Sonne zwischen den Bäumen hervor. Ihre bronzene Glut legt sich über das Grün des Rasens und lässt die Fläche schimmern wie einen stillen Teich, in den gerade ein Frosch hineinspringt. Rings um das historische Spielfeld unserer Viktoria stehen die Bäume, die den Junkerwald begrenzen. Das Laub hat sich bereits in Rot und Gelb verwandelt und beginnt, den heißen Sommer langsam, beinahe widerwillig, in seinen wohlverdienten Winterschlaf zu entlassen.

 

Für einen kurzen Moment ist das alles so vollkommen, dass man fast glauben könnte, dieses Bild sei einem Herbstgedicht von Joseph von Eichendorff entsprungen oder dem neuesten Meisterwerk von Romancier Richard Powers. Ein Stück Natur, das sich selbst genügt. Still, golden und ein wenig melancholisch.

 

Fast zu schön, um wahr zu sein.

 

 Der schönste Berg der Welt! 

 

Denn dann zerreißt ein deftiger Furz, ungefähr in der Lautstärke eines gerade aufgedrehten, rostigen Gartenschlauchs, die Idylle und holt den staunenden Gipfelstürmer mit brutaler Gewalt aus seinem Tagtraum einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung zurück in die Wirklichkeit.

 

Sein japsender Begleiter schaut mit fragendem Blick hinüber zum Getränkestand.

 

„Ey, Keule. Willste auch ’n Bier oder gaffst du weiter blöd durch die Gegend?“

 

Ja, es ist Spieltag am Junkerberg und hier werden keine Gefangenen gemacht. Bier und Currywurst rufen, und Romantik entsteht ohnehin nur dann, wenn Fabi Goertz den heranstürmenden Rechtsaußen auf die Aschenbahn grätscht, Bene Schmitz den Ball aus 25 Metern in den Giebel zimmert oder Radio Mickels den gegnerischen Mittelstürmer mit zärtlichen Verbalinjurien über dessen Mutter und deren Beschäftigung im Horizontalgewerbe aufklärt.

 

Auch am kommenden Sonntag ist ein solches Szenario nicht völlig unwahrscheinlich. Der einzige Unterschied besteht darin, dass unsere heißgeliebte Viktoria den Gast aus Kuckum diesmal nicht am Junkerberg empfängt, sondern im Ausweichstadion in Baal.

 

Die Kuckumer Reserve ist glänzend in die Saison gestartet und rangiert derzeit auf dem zweiten Tabellenplatz der Kreisliga B. Auf das Team von Thorsten Berg wartet also wieder einmal ein dicker Brocken, der erst einmal bespielt werden will.

 

Verstecken muss man sich deshalb allerdings nicht. Schon gar nicht auf dem kleinen Kunstrasenplatz in Baal. Dort können Kompaktheit, Disziplin und eine geschlossene Mannschaftsleistung mehr wert sein als Hochglanzfußball und große Namen. Wenn die Räume im Mittelfeld eng bleiben, die Defensive gemeinsam arbeitet und jeder für den anderen den Meter mitgeht, kann man auch spielstarken und auf dem Papier besseren Gegnern das Leben ordentlich schwer machen.

 

Kleingladbach musste das vor Monatsfrist bereits erfahren. Auch die Mannschaft aus dem Nachbarort biss sich am Baaler Kunstrasen an der taktisch disziplinierten Viktoria die Zähne aus und musste sich am Ende mit einem Unentschieden begnügen.

 

Warum also nicht wieder?

 

Wenn die Jungs ihren Leistungshöhepunkt erreichen, vielleicht sogar ein kleines Stück darüber hinausgehen, dann könnte am Sonntag genau das passieren, was diese Mannschaft momentan am dringendsten braucht: ein Erfolgserlebnis. Ein Spiel, in dem man merkt, dass all die Lauferei, die Zweikämpfe, die kleinen Schritte und die manchmal ziemlich schmerzhafte Lehrstunde der vergangenen Wochen nicht umsonst waren.

 

Vielleicht gelingt dann ein weiterer Schritt nach vorn. Vielleicht wächst aus diesem kleinen Pflänzchen Selbstvertrauen sogar irgendwann etwas Größeres.

 

Und wer weiß: Vielleicht wird eines Tages tatsächlich ein ebenso romantisches Gedicht über die Heldentat gegen Kuckum geschrieben.

 

Wobei wir uns vermutlich darauf einigen können, dass es am Junkerberg beziehungsweise in Baal eher weniger nach Eichendorff und deutlich mehr nach Bierdunst, aufgeschürften Knien und schlecht erzogenen Fußballern klingen wird.

 

Reserve will nachlegen

Noch bevor die Erste zum großen Sonntagstanz bittet, eröffnet unsere Zweite in Baal den Doppelspieltag.

 

Nach dem ersten Saison-Dreier in Gerderath stehen die Jungs von Yves Nolte gegen die Reserve aus Klinkum gleich wieder im Rampenlicht. Der erste Sieg nach zuvor drei Niederlagen hat gutgetan. Nicht nur fürs Punktekonto, sondern vermutlich auch für die Laune in der Kabine. Und weil man sich an so einen Erfolg bekanntlich schnell  gewöhnt, soll am Sonntag direkt der nächste her.

 

Die Klinkumer haben bislang zwar erst zwei Spiele absolviert, warten dabei aber noch auf ihren ersten Sieg. Auf dem Papier ruft also der nächste Dreier. Allerdings ist Papier geduldig und hat bekanntlich noch nie einen Zweikampf gewonnen.

 

Dafür müssen Muth, Gruntmann und Co. wieder alles auf den Platz bringen, was sie können: Zweikämpfe, Laufbereitschaft, ein bisschen Dreck unter den Fingernägeln und möglichst viele Bälle im gegnerischen Netz.

 

Wenn das gelingt, steht einer weiteren Siegesfeier eigentlich nichts im Weg. Und falls doch, findet sich in Baal zur Not bestimmt noch ein Bier, mit dem man die Enttäuschung zumindest kurzfristig hinunterspülen kann.

 

A-Jugend in Porselen gefordert

Bereits am heutigen Mittwoch freut sich unsere A-Jugend über jede Unterstützung beim Gastspiel in Porselen.

 

Nach dem eher mauen Auftritt gegen Schwanenberg wollen die Jungs Wiedergutmachung betreiben und diesmal wieder zeigen, was spielerisch in ihnen steckt. Mit Fußball, der nicht nur nach Kampf und Krampf aussieht, sondern auch nach Plan. Und wenn es auf dem Platz etwas rustikaler werden muss, darf natürlich auch der eine oder andere harte Zweikampf nicht fehlen.

 

Gegen die SG Randerath/Porselen-Würm/Lindern - Mann, oh Mann: ein Vereinsname, der länger ist als die Handballkarriere von Trainer Yves Nolte - sollen jedenfalls drei Punkte mit nach Hause genommen werden.

 

Dafür braucht es heute Abend Einsatz, Leidenschaft und hoffentlich ein bisschen mehr von dem Fußball, den die Jungs eigentlich können. Also: Auf nach Porselen, die Jungs unterstützen und gemeinsam dafür sorgen, dass der Mittwochabend nicht nur irgendein Wochentag bleibt.

 

Stephan Epple

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Veröffentlichung

Mi, 30. September 2026