Ein Dorf – ein Team
FC Viktoria Doveren e.V.
FC Viktoria Doveren e.V.
Klar, 0:7 in Wegberg ist ein Debakel. Da kann man nichts schönreden und schon gar nichts schönschreiben. Unsere Viktoria befindet sich momentan in einer der vielleicht schwierigsten Phasen ihrer 116-jährigen Geschichte. Tabellenletzter der Kreisliga B, ein Punkt und 2:25 Tore nach sechs Spielen. Das spricht eine deutliche Sprache. Eine Sprache, die sich auch mit den schönsten Worten nicht wegdiskutieren lässt.
Aber trotzdem.
Trotzdem möchte man dieser jungen Mannschaft und unserem Trainer Thorsten Berg Mut zusprechen. Gerade den jungen Spielern möchte man sagen, dass trotz dieser Misere der Sand nicht in den Kopf gehört, wie es einst ein nicht minder begabter Weltmeister aus Bergheim beschrieben hat. Denn gerade das Pensum der vergangenen Wochen lässt manche Leistung vielleicht in einem etwas anderen Licht erscheinen. Zum Teil mussten unsere A-Jugendlichen, vier Spiele innerhalb von sieben Tagen absolvieren. Viermal Fußball, viermal 90 Minuten, viermal alles aus dem Körper herauspressen, was noch darin steckt. Dass irgendwann die Beine schwer werden und der Kopf nicht mehr so will wie am ersten Spieltag, ist keine Entschuldigung. Aber es ist eine Erklärung.
Und wenn dann ein eingespieltes Spitzenteam wartet, gespickt mit ehemaligen Landesligaspielern, wenn kurzfristige Verletzungen hinzukommen und wichtige Spieler teilweise ausfallen, dann wird es für eine Mannschaft, die ohnehin nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzt, verdammt schwer, solche Ausfälle nahtlos zu kompensieren.
Wenn dann auch noch die Frische fehlt, der Gegner spielerisch einen Gang nach dem anderen höher schaltet und bei einigen Jungs einfach einer dieser gebrauchten Tage in den Knochen steckt, kommt am Ende leider ein Ergebnis wie jenes vom Sonntagnachmittag heraus.
Aber wieder dieses Trotzdem.
Vielleicht wird dieses Wort hier ein wenig zu oft bemüht. Vielleicht sogar inflationär. Aber es beschreibt ziemlich genau, was man nach so einem Nachmittag sagen muss.
Denn den Jungs kann man vieles vorwerfen. Gleichgültigkeit gehört nicht dazu.
Klar fehlte gestern vielleicht von Beginn an die letzte Konsequenz. Die Berg-Truppe wirkte eingeschüchtert von der spielerischen Dominanz der Hausherren. Man rannte häufig nur hinterher. Und wenn der Ball dann doch einmal erobert wurde, fehlte die Ruhe, die Kraft und manchmal auch einfach der Glaube daran, ihn länger als ein oder zwei Stationen durch die eigenen Reihen laufen zu lassen.
So rollte Angriff auf Angriff auf das Tor von Daniel Kuhnen. Und unser Keeper verhinderte mit einigen starken Paraden, dass es am Ende noch bitterer wurde. Je länger das Spiel dauerte, desto schwerer wurden die Beine. Vor allem im zweiten Abschnitt ließen Kraft und Konzentration nach. Tore fielen, manche davon wären mit etwas mehr Frische vielleicht vermeidbar gewesen.
Aber auch dann bleibt dieses Trotzdem.
Denn diesen Jungs gebührt trotz des derzeitigen Tabellenstandes höchster Respekt. Den Goertz-Brüdern, Tobi Sagert, Stefan Röhrnbeck und Marius Mickels, die versuchen, den jungen Spielern mit ihrer Erfahrung zu helfen und dafür selbst körperliche Wehwehchen in Kauf nehmen oder trotz des einen oder anderen cortisolbedingten Zusatzgramms in die Bresche springen. Mannschaftsführer Bene Schmitz, Andy Lewezki und Comebacker Philipp Morr verdienen denselben Respekt. Sie halten mit Einsatz, Ehrgeiz und vor allem mit ihrer Treue zum Verein eine Mannschaft zusammen, die gerade durch eine ziemlich dunkle Strecke läuft.
Und vielleicht ist genau das momentan das Wichtigste.
Hier wird etwas aufgebaut.
Das Potenzial ist da. Gerade den sehr jungen Spielern muss man Fehler zugestehen. Sie müssen Fehler machen dürfen, um aus ihnen zu lernen. Auch wenn jeder Fehler momentan augenscheinlich hart bestraft wird.
Die Entwicklung dieser Mannschaft wird nicht an einem 0:7 entschieden. Auch nicht an sechs Spieltagen. Vielleicht wird man irgendwann auf diese Wochen zurückblicken und erkennen, dass genau hier etwas begonnen hat. Dass die Jungs Niederlagen eingesteckt, daraus gelernt und Erfahrungen gesammelt haben, die ihnen später niemand mehr nehmen kann.
Deshalb sollten auch die treuen Fans der Elf vom Junkerberg diesen Weg mitgehen. Auch dann, wenn er momentan schmerzt. Vielleicht sogar gerade dann.
Unterstützt die Jungs. Bleibt ihnen treu. Schimpft nicht auf sie, wenn es schwierig wird. Denn Fußball ist nicht nur dann Fußball, wenn am Ende drei Punkte auf dem Konto stehen.
Und eines bleibt ohnehin gewiss: Die Viktoria wird niemals untergehen.
Kuhnen- Morr, C. Goertz, Mickels, F. Goertz - Bieonuma, Gönül (71. Allwicher), T. Rumpf (66. Kohnen), Schmitz, Sosnowski (81. Gers) - Rebing (46. Franzolet)
Für positive Nachrichten im Viktoria-Kosmos sorgte dann doch noch an diesem Wochenende unsere Reserve. Beim Tabellenletzten aus Gerderath siegte die Truppe von Yves Nolte verdient mit 5:3.
Sebastian Sonn machte seinem Kosenamen einmal mehr alle Ehre und bombte gleich dreimal. Zudem trugen sich Kapitän Ben Gruntmann und Stefan Röhrnbeck in die Schützenliste ein.
Ein Extralob verdiente sich laut Nolte die „kleine Erbse“ Miguel da Silva, der nach seiner Einwechslung, entsprechend seiner weltmeisterlichen Vorbilder von der iberischen Halbinsel, die eine oder andere sehenswerte Aktion in petto hatte.
Bereits am letzten Mittwoch spielte unsere A-Jugend in einer sehenswerten Begegnung gegen die Sportfreunde Uevekoven einen 3:2-Sieg heraus und rechnete sich für das Heimspiel gegen den SV Schwanenberg am letzten Samstag auch mehr aus, als am Ende heraussprang. Mit 1:3 zog man hier den Kürzeren.
Stephan Epple