Ein Dorf – ein Team
FC Viktoria Doveren e.V.
FC Viktoria Doveren e.V.
Passend zum Herbstanfang macht sich leider über dem Junkerberg eine eigentümliche Schwere gemütlich. Wetterbedingt wird die dunkle Jahreszeit noch von den wohligen spätsommerlichen Temperaturen bekämpft. Kein Nebel, der zwischen den Bäumen des Junkerwalds hängt, kein Wind, der über den Dächern von Doveren pfeift. Nur dieses Gefühl, das manchmal über einem Fußballplatz liegt, wenn Siege ausbleiben und der Tabellenplatz Herzschmerz auslöst.
Um es vorsichtig auszudrücken: Die Saison verläuft bislang ernüchternd.
Natürlich war jedem klar, dass das zweite Jahr in der B-Liga kein Spaziergang werden würde. Dafür ist im Sommer zu viel passiert. Eine halbe Mannschaft von Leistungsträgern ist weggebrochen. Neues musste aufgebaut werden. Junge Spieler kamen dazu. Neue Rollen mussten verteilt werden. Jeder musste herausfinden, wo sein Platz ist.
Das Problem dabei ist nur, dass eine Saison nicht wartet, bis eine Mannschaft fertig geworden ist. Sie beginnt einfach. Und irgendwann steht man auf dem Platz, hört den Pfiff des Schiedsrichters und merkt, dass der Wurf ins Wasser besonders kalt ist.
Die nackten Zahlen erzählen leider nicht die ganze Geschichte der bisherigen Saison. Sie stehen aber da wie eingemeißelt, und Zahlen haben bekanntlich wenig Sinn für Trost. Besonders die Niederlage in Würm-Lindern hat der jungen Mannschaft wehgetan. Vielleicht liegt darin aber auch das eigentliche Thema dieser Spielzeit. Die Jugend. Wobei das zunächst einmal gar kein Problem ist. Jung zu sein bedeutet Tempo und Unbekümmertheit.
Manchmal ist genau das großartig. Manchmal ist es aber auch eine Katastrophe. Denn jung bedeutet eben auch unerfahren. Und Erfahrung ist eine seltsame Sache. Man kann sie niemandem erklären. Man kann sie nicht auf eine Taktiktafel schreiben. Man muss sie sich holen. Und meistens bekommt man sie nicht umsonst. Man bezahlt dafür. Mit einem verlorenen Zweikampf. Mit Stellungsfehlern. Mit unglücklichen Gegentoren. Mit vergebenen Torchancen.
Mannschaften wie Holzweiler, Hilfarth oder Karken kennen solche Situationen. Sie haben sie schon erlebt. Immer wieder. Ihre Spieler haben über Jahre gelernt, wann man ein Spiel beruhigen muss, wann ein Foul nötig ist, wann man den Ball wegschlägt und wann man einfach noch eine Sekunde länger wartet, bevor man den entscheidenden Pass spielt. Unsere Jungs sind dabei, das gerade zu lernen. Und das kann wehtun.
Gegen Holzweiler, Hilfarth und zuletzt Karken gab es deutliche Niederlagen. Wer nur auf die Ergebnisse schaut, könnte deshalb zu dem Schluss kommen, dass am Junkerberg gerade etwas schiefläuft. Aber so ist es nicht. Man muss zwar schon ein wenig genauer hinsehen, aber Lichtblicke gab es in den vergangenen Begegnungen immer wieder.
In Holzweiler war unsere Viktoria am ersten Spieltag noch weitgehend chancenlos. Gegen Kleingladbach sah die Sache schon anders aus. Die Mannschaft stand kompakter, arbeitete besser zusammen und zeigte plötzlich auch mit dem Ball einige Dinge, die Hoffnung machten. Das 0:0 war deshalb mehr als nur ein Punkt. Es war ein kleiner Hoffnungsschimmer. Dann kam aber Hilfarth und machte wieder dunkel. Auch das gehört dazu. Entwicklung verläuft schließlich nicht geradeaus. Sie geht vor und zurück, manchmal sogar zur Seite. Man glaubt, etwas verstanden zu haben, und dann steht man am nächsten Sonntag auf dem Platz und macht genau denselben Fehler noch einmal. Das ist Fußball. Ja, und auch das Leben. Schon der berühmte französische Literaturnobelpreisträger, Philosoph und Ex-Torhüter Albert Camus gab den Hinweis: „Alles, was ich im Leben über Moral oder Verpflichtungen des Menschen gelernt habe, verdanke ich dem Fußball.“
In Würm war dann wieder etwas von dem zu sehen, was in dieser Mannschaft steckt. Die erste Halbzeit wurde allerdings verschlafen. Nicht ein bisschen. So richtig. Als hätte jemand das Licht ausgemacht und vergessen, es wieder einzuschalten. Nach der Pause war die Viktoria plötzlich da. Sie kämpfte. Sie spielte. Sie lief. Und die Anhänger unserer Elf vom Junkerberg sahen, dass diese junge Mannschaft noch nicht bereit war, sich einfach ihrem Schicksal zu ergeben. Ein Punkt wäre mindestens verdient gewesen.
Gegen Karken lief es im ersten Abschnitt ähnlich hoffnungsvoll wie vor Wochenfrist. Die Mannschaft begegnete dem A-Liga-Absteiger auf Augenhöhe. Sie hielt dagegen und ließ erkennen, dass sie durchaus in der Lage ist, mit solchen Gegnern mitzuhalten. Dann kam die zweite Hälfte. Und irgendwann kippte das Spiel. Schnell. Zu schnell. Solche Momente sind es, aus denen junge Mannschaften lernen müssen. Nicht die schönen. Die anderen. Die Augenblicke, in denen ein Spiel plötzlich zu entgleiten beginnt und man noch nicht weiß, wie man es wieder einfängt.
Thorsten Berg sieht trotzdem, dass sich etwas verändert. Die Mannschaft findet langsam zusammen. Noch nicht perfekt. Noch nicht zuverlässig. Aber langsam. Aus einzelnen Spielern wird ein Gefüge. Und irgendwo zwischen den Niederlagen, den guten Halbzeiten, den schlechten fünf Minuten und den langen Gesprächen nach dem Abpfiff wächst etwas, das man noch nicht richtig greifen kann. Vielleicht ist es Erfahrung. Vielleicht ist es Zusammenhalt. Vielleicht ist es einfach nur der Anfang von etwas, das man erst im Laufe der Saison erkennt.
Bis dahin müssen noch einige Sonntage gespielt werden. Der nächste wartet in der Mühlenstadt Wegberg. Der Sportclub ist eine erfahrene Mannschaft, spielstark und unangenehm genug, um einer jungen Viktoria das Leben ziemlich schwer zu machen. Der 5:0-Sieg gegen die Zweitvertretung aus Uevekoven hat gezeigt, was möglich ist. Die Niederlage in Schwanenberg am vergangenen Spieltag ändert daran wenig. Für die Viktoria wird es schwer. Das wissen alle. Aber sie weiß inzwischen auch, dass sie gegen solche Mannschaften zumindest zeitweise bestehen kann. Die Frage ist nur, ob aus den guten 30 oder 45 Minuten diesmal 90 werden. Wenn das gelingt, könnte am Ende etwas herausspringen. Vielleicht ein Punkt. Vielleicht sogar mehr. Im Fußball gibt es schließlich diese Tage, an denen niemand damit rechnet, dass etwas Gutes passiert. Und genau dann passiert es manchmal. Bis dahin heißt es weitermachen. Denn trotz der Ergebnisse der vergangenen Wochen ist diese Mannschaft nicht auseinandergefallen. Im Gegenteil. Sie bleibt zusammen.
Am Donnerstag nach dem Training wird man sich im Vereinsheim versammeln und gemeinsam das Länderspieldebüt des neuen Bundestrainers anschauen. Zum Kloppschen XXL-Kader gibt es dann XXL-Hotdogs. Schließlich braucht auch ein junger Fußballer Energie. Mit der richtigen Ernährung klappt es dann vielleicht auch mit den drei Punkten.
Bei der Reserve von Sparta Gerderath könnte unserer Zweitvertretung am kommenden Sonntag, vorausgesetzt, der Hot-Dog-Abend am morgigen Donnerstag bekommt ihr nicht allzu schlecht, endlich der erste Dreier winken.
Nach den Niederlagen zum Saisonstart trifft man auf den Tabellenletzten aus dem Erkelenzer Umland. Eine Mannschaft also, gegen die es langsam Zeit wäre, den ersten Haken unter die Saison zu setzen, bevor man irgendwann anfängt, die Tabelle lieber rückwärts zu lesen.
Wenn der Bomber Sebastian Sonn seinem Namen alle Ehre macht, Abwehrchef Sebastian Muth nach seiner Ausflitterung wieder die Hochzeitsklamotten gegen das Trikot eingetauscht hat und Flügelflitzer Tizi Rowinski mit seinen Dribblings den Gegenspieler zum nächsten Hot-Dog-Stand schickt, dürfte die Heimfahrt zum Party-Korso werden.
Für unsere A-Jugend wird es endlich ernst. Am heutigen Mittwoch starten die Jungs von Yves Nolte auf dem Baaler Kunstrasenplatz gegen die Sportfreunde Uevekoven in die neue Saison.
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt den Jung-Viktorianern allerdings nicht. Bereits am kommenden Samstagmittag wartet die A-Jugend-Reserve des SV Schwarz-Weiß Schwanenberg auf unsere Jungs. Diesmal geht es dann wieder auf heimischem Geläuf am Junkerberg um die ersten Punkte der neuen Spielzeit.
Stephan Epple