Spielbericht: Viktoria Doveren - VfJ Ratheim

… und dann kam Tobi

Ohne Drama scheint es für diesen Klub in dieser Saison kaum zu gehen. Wer es mit der Viktoria hält, braucht starke Nerven und vor allem eine unglaubliche Leidensfähigkeit. Aber das macht ja diesen verhassten und gleichzeitig vergötterten Sport aus.  Diese Achterbahnfahrt auf dem Emotionskarussell ist nicht immer schön, aber gerade deshalb geht man Woche für Woche auf den Platz, an die Seitenlinie oder in den Zuschauerstand. Der typische Fußballjunkie ist eben masochistisch veranlagt. Man will mitgerissen werden. Man will hoffen, zittern, schreien, heulen, fluchen, hassen, spucken, kratzen, beißen, meckern, spotten, leiden, jubeln, siegen…

 

Dass all diese Emotionen bei der Viktoria oft innerhalb von nur neunzig Minuten aufeinanderprallen, macht jeden Spieltag zu einem Abstieg in Dantes Inferno: „Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren.“ Auch am gestrigen Sonntag mussten die Anhänger der Viktoria lange durch die dunkle und kalte Hölle der Abstiegsränge wandern, ehe die viktorianische Beatrice in Gestalt von Tobi Sagert den Weg zurück ins Paradies der Nichtabstiegsplätze wies.

 

Die Höllenfahrt begann bereits nach kaum sechzig Sekunden am Junkerberg. Der abgeschlagene Tabellenletzte aus Ratheim schien gedanklich noch nicht ganz auf dem Platz zu sein, als Philipp Morr plötzlich völlig frei vor dem Gästegehäuse auftauchte. Doch anstatt den Ball am Torhüter vorbeizuschieben, legte er quer und fand nur ein Ratheimer Abwehrbein.

 

In diesem Rhythmus verlief auch die Anfangsviertelstunde. Immer wieder tauchte die Viktoria brandgefährlich vor dem Tor des VfJ auf, doch wie so oft in den vergangenen Wochen ließ sie ihre hochkarätigen Chancen ungenutzt. Und auf der anderen Seite brauchte man Glück, als ein Distanzschuss der Gäste an die Latte krachte.

 

Mit jeder vergebenen Möglichkeit schlich sich mehr Verkrampfung ins Spiel der Hausherren. Die Leichtigkeit wich der Nervosität und Ratheim begann Morgenluft zu wittern. Nach einer äußerst fragwürdigen Entscheidung des Schiedsrichters erhielt der Gast nach knapp einer halben Stunde sogar einen Strafstoß zugesprochen. Spätestens in diesem Moment fühlte sich der Junkerberg tatsächlich an wie der Vorhof zur Hölle.

 

Doch selbst in den dunkelsten Stunden gibt es manchmal einen Hoffnungsschimmer. Ratheims Polat trat zum Elfmeter an, scheiterte mit seinem durchaus ordentlich geschossenen Versuch jedoch am stark reagierenden Erik Engel, der sich mit aller Kraft in die Ecke warf.

 

Wer nun auf eine Initialzündung gehofft hatte, wurde allerdings enttäuscht. Die Angriffe der Viktoria wurden zunehmend hektischer und kopfloser, sodass die Ratheimer Hintermannschaft kaum Mühe hatte, die Bemühungen wegzuverteidigen.

 

Noch schlimmer kam es kurz vor dem Halbzeitpfiff. Polat behauptete den Ball im Doverener Strafraum, ließ mit einer kurzen Bewegung gleich zwei Gegenspieler ins Leere laufen und erzielte die schmeichelhafte 1:0-Führung für die Gäste.

 

Mucksmäuschenstill war es zur Halbzeit am Junkerberg. Große Sorge, mancherorts sogar Resignation, hatte sich im weiten Rund breitgemacht. Doch Quappo Marcos schien mit einer Kabinenansprache der eher drastischen Art noch einmal an der Ehre seiner Mannschaft gepackt zu haben.

 

Zu Beginn der zweiten Hälfte entwickelte sich ein regelrechter Sturmlauf der Viktoria. Angriff um Angriff rollte auf das Ratheimer Tor zu, doch zunächst blieb jeder Versuch im vielbeinigen Abwehrbollwerk der Gäste hängen. Dennoch lag spürbar in der Luft, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis den aufopferungsvoll kämpfenden VfJlern die Kräfte schwanden und sich die ersten Lücken auftaten.

 

Eine solche Lücke öffnete sich schließlich in der 55. Minute. Elia Rohloff wurde im linken Strafraum freigespielt und schob überlegt zum längst überfälligen 1:1 ein. Zum ersten Mal an diesem Nachmittag machte sich so etwas wie Erleichterung in den Gesichtern der Viktoria-Anhänger breit. Die Hoffnung auf den zweiten Rückrundensieg stieg.

 

Doch die Mannschaft von Marcos musste weiter leiden. Die Chancen auf ein deutliches Ergebnis waren längst vorhanden, doch immer wieder scheiterte man an Ungenauigkeiten im letzten Pass, an überhasteten Abschlüssen oder am stark aufgelegten Schlussmann der Ratheimer. Mit jeder vergebenen Möglichkeit kroch die Verzweiflung ein Stück weiter über den Junkerberg. Die letzte Hoffnung schien langsam von den düsteren Schatten dieses Fußballnachmittags verschlungen zu werden.

 

Dann aber brachte Marcos neues Licht ins Dunkel. Eine Viertelstunde vor Schluss schickte er den eigentlich angeschlagenen Routinier Tobi Sagert aufs Feld, als letzten Hoffnungsträger in diesem Kampf gegen den drohenden Sturz in den tabellarischen Höllenkeller.

 

Und Sagert brauchte keine zehn Minuten, um die Viktorianer zu erlösen.

 

Mit einer unwiderstehlichen Körperdrehung ließ er seinen Gegenspieler an der Strafraumkante ins Leere laufen, drang in den Sechzehner ein und legte den Ball kurz vor dem herausstürzenden Ratheimer Keeper quer auf den aufgerückten Simon Goertz. Der lange Abwehrrecke hätte sich keinen besseren Moment für sein erstes Saisontor aussuchen können. In der 85. Minute führte die Viktoria plötzlich mit 2:1. Der Junkerberg explodierte zwar nicht, man spürte jedoch unendliche Erleichterung.

 

Für die endgültige Erlösung sorgte dann in der Nachspielzeit erneut Rohloff. Nach schöner Vorarbeit von Morr traf er in der 91. Minute zum 3:1 und setzte den Schlusspunkt unter einen Nachmittag, der mal wieder alles bereithielt, was den Fußball manchmal so grausam und gleichzeitig so wunderbar macht.

 

So ist die Viktoria der drohenden Abstiegs­hölle vorerst ein Stück entflohen. Der Blick auf die übrigen Plätze des Spieltags sorgte zusätzlich für Erleichterung, denn auch die direkte Konkurrenz aus Immerath, Helpenstein und Birgelen ließ Punkte liegen. Der Vorsprung auf die Abstiegsränge wuchs dadurch auf sechs Punkte an. Das Paradies der Kreisliga B scheint plötzlich wieder ein gutes Stück näher zu sein als noch vor einer Woche.

 

Engel - Lewezki (66. van Zanten), Hickmann, F. Goertz (77. Sagert), S. Goertz - Morr, C. Goertz, Yesil, Rohloff, Marcos - Köse

 

Munteres Spielchen der Namensvetter

Am Sonntagmittag trafen bereits die beiden Reserveteams der Viktoria aus Doveren und Kleingladbach aufeinander. Für die früh erschienenen Zuschauer am Junkerberg entwickelte sich dabei ein munteres und unterhaltsames Spiel.

 

Nach der frühen Führung durch Bomber Sebastian Sonn schien zunächst vieles für unsere Reserve zu sprechen. Doch die Gäste aus Kleingladbach drehten die Partie zwischenzeitlich auf 2:1. Noch vor dem Halbzeitpfiff schlug jedoch erneut Sonn zu und stellte mit seinem zweiten Treffer des Tages auf 2:2.

 

Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Begegnung offen, ehe sich die favorisierten Gäste in der Schlussphase doch entscheidend durchsetzen konnten. Erst in der 80. Minute schoss sich die Viktoria von der Heubahn endgültig auf die Siegerstraße. Kurz vor Abpfiff fiel schließlich noch das 4:2, das am Ende als leistungsgerechtes Ergebnis anerkannt werden musste.

 

A-Jugend mit Torfestival

Endlich mal wieder. Nach längerer Durststrecke konnten die Jung-Viktorianer wieder einen Sieg bejubeln. Gegen die Gäste aus Wassenberg-Orsbeck entwickelte sich am vergangenen Samstagnachmittag ein wahres Schützenfest, das Coach Yves Nolte, dem ehemaligen Handballer, sicherlich ein kleines Lächeln und einige Erinnerungen ins Gesicht gezaubert haben dürfte.

 

Beinahe handballhaft setzte sich seine Mannschaft mit 9:4 durch und gewann auch in dieser Höhe vollkommen verdient.

 

Stephan Epple

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Mo, 11. Mai 2026

Weitere Meldungen

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

Kreispokal; 1. Runde: Viktoria Doveren - Rheinland Dremmen