Spielbericht: SG Holzweiler-Katzem - Viktoria Doveren

Ein guter Tag für Kardiologen

 

Frühlingshafte 20 Grad zeigte das Thermometer kurz vor 15:00 Uhr an der Abrisskante von Garzweiler II an. Die Viktoria gastierte an diesem sonnendurchfluteten Nachmittag voller Vorfreude in Holzweiler. Doch die gute Stimmung erhielt rasch einen ersten Dämpfer, als der Blick auf die Spielfläche fiel. Trotz der trockenen und warmen Wochen zuvor empfing die Spielgemeinschaft unsere Viktoria auf einem knüppelharten Aschenplatz. Der Boden war stellenweise so zerfurcht, als hätten die nahen Kohlebagger von Rheinbraun ihre Spuren darin hinterlassen.

 

Den zahlreich mitgereisten Zuschauern aus dem schönsten Dorf der Welt war schnell klar, dass hier heute keine fußballerischen Leckerbissen zu erwarten waren. Doch Trainer Dennis Krieger schien die richtigen Worte gefunden zu haben, denn die Elf vom Junkerberg, die erneut einige Ausfälle zu verkraften hatte, nahm den Abnutzungskampf vom Anstoß weg an.

 

Im vertrauten System mit vier Verteidigern, fünf Mittelfeldspielern und einer Spitze führte Routinier Tobi Sagert das Zentrum. Auf den Außenbahnen wirbelten die lauf und trickstarken Oguzhan Yesil und Enis Cobanoglu, die trotz des Ramadans bewundernswerterweise die gesamte Spielzeit durchhielten. Vorn arbeitete Ramon Marcos als einzige Spitze unermüdlich, stellte sich ganz in den Dienst der Mannschaft und lief immer wieder die gegnerische Abwehr an. So war die Offensive gefährlich besetzt.

 

Die erste Duftmarke setzte die Viktoria bereits nach neun Minuten und sie führte gleich zum Tor. Eine Ecke von Marcos, die schon zu lang geraten schien, erreichte Yesil noch im letzten Moment. Geistesgegenwärtig legte er den Ball aus der Luft quer zu Sagert. Doverens Spielmacher drückte ihn aus kurzer Distanz über die Linie zur Führung.

 

Mit dem Vorsprung im Rücken ließ sich die Viktoria etwas zurückfallen und richtete den Blick stärker auf die Sicherung des eigenen Tores. Vor allem im ersten Abschnitt fanden die Angriffe des Holzweiler Mittelfelds immer wieder ihr Ende im kompakten Zentrum der Gäste. Die beiden defensiven Mittelfeldspieler Louis van Zanten und Chris Goertz erstickten mit Zweikampfstärke und Laufbereitschaft viele Vorstöße bereits im Ansatz. Gefahr entstand höchstens über die schnellen Außenspieler der Gastgeber. Doch auch dort standen ihnen mit Simon Goertz auf der linken Seite und Andi Lewezki auf der ungewohnten rechten Außenverteidigerposition entschlossene Gegenspieler gegenüber. Lewezki bot dabei eine kämpferisch herausragende Vorstellung.

 

Ein weiterer Grund für die stabile Defensive lag in der konzentrierten Innenverteidigung der Viktoria. Fabian Goertz und Julian Hickmann nahmen der hochgelobten Offensive aus Holzweiler weitgehend den Raum zur Entfaltung.

 

Und wenn doch einmal Gefahr vor dem Tor der Viktoria aufkam, war wie so oft in dieser Saison Verlass auf Erik Engel. In der 37. Minute vereitelte er mit einem Blitzreflex den möglichen Ausgleich, als er einen Schuss aus kurzer Distanz noch ablenkte. Der Ball sprang an den Innenpfosten, streifte die Unterkante der Latte und blieb dem Tor fern. 

 

 Torschütze zur Führung: Tobi Sagert. 

 

Einen kleinen Bruch erlebte das Spiel der Viktoria, als Tobi Sagert verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Leistenprobleme zwangen ihn zum vorzeitigen Ende, Lenny Müller übernahm seinen Platz. In der Folge verlor das Doverener Spiel etwas an Struktur. Zwar suchte man weiterhin mit schnellen Bällen den Weg nach vorn, doch Holzweiler gewann nun mehr Einfluss und erhöhte spürbar den Druck, ohne dabei wirklich zwingend zu werden. Schließlich bat der umsichtige und sicher leitende Schiedsrichter David Specks zum Halbzeittee.

 

Zu Beginn der zweiten Hälfte fand Holzweiler deutlich besser in die Partie. Minute um Minute wuchs der Druck auf die Doverener Hintermannschaft. Nach einer Stunde konnte Lewezki eine Kopfballverlängerung nach einer Ecke noch spektakulär per Seitfallzieher von der Linie schlagen. Doch in der 68. Minute fiel nach einer weiteren Ecke der Ausgleich durch Hirsch, nicht unverdient zu diesem Zeitpunkt.

 

Der Treffer wirkte wie ein Schlag. Kaum sechzig Sekunden später verlor die Viktoria vor dem eigenen Strafraum unnötig den Ball. Weckauf nutzte den anschließenden Querpass und traf aus sieben Metern zur Führung für die Gastgeber. Innerhalb einer Minute war die zuvor so stabile Leistung dahin und die Viktoria fand sich plötzlich auf der Verliererstraße wieder.

 

Doch die Mannschaft zeigte Moral. Sie stemmte sich gegen die drohende Niederlage. Trainer Dennis Krieger setzte ein klares Zeichen und wagte eine mutige Umstellung. Für Müller und van Zanten kamen die A-Jugendspieler Emmanuel Bieonuma und Thorben Rumpf ins Spiel und brachten frischen Schwung in die Offensive. Zudem rückte Innenverteidiger Hickmann als zusätzliche Spitze nach vorn.

 

Diese Maßnahme sollte Wirkung zeigen. Nach einem abgewehrten Freistoß gewann Yesil den zweiten Ball und hob ihn gefühlvoll in den Strafraum. Dort war Hickmann vier Minuten vor Schluss sträflich freigelassen worden. Er blieb ruhig, nahm den Ball volley und hob ihn über den herausstürmenden Torhüter hinweg zum Ausgleich.

 

Ein Punkt auswärts bei einem Spitzenteam der Liga hätte vielen genügt. Doch an diesem Tag wollte die Viktoria mehr. Die Schlussphase blieb allerdings hektisch, geprägt von Zweikämpfen, kleinen Reibereien und zahlreichen Freistößen. 

 

Weit in der Nachspielzeit schlug Fabian Goertz einen solchen Freistoß in die linke Hälfte der Gastgeber. Dort kombinierten sich Rumpf, Marcos und Yesil mit schnellen Doppelpässen durch und setzten schließlich Cobanoglu auf der Außenbahn frei. Mit letzter Kraft, nach einem weiteren seiner unermüdlichen Sprints, drang er in der 93. Minute in den Strafraum ein.

 

Aus diesem Angriff sollte noch ein weiterer jener Augenblicke entstehen, die eine Saison unvergesslich machen und die Herzschläge der Zuschauer am Spielfeldrand in wilden Zickzacklinien nach oben treiben.

 

Cobanoglu zog seinen Sprint bis zur Grundlinie durch und legte den Ball zurück an den Strafraum. Dort war Marcos mitgelaufen und stand einschussbereit frei. Für einen Moment schien der Rest der Welt zu verschwinden. Es wirkte, als stünden nur noch der Torhüter aus Holzweiler und Marcos auf einer Bühne, während ringsum jedes Licht erloschen war. Nur ein einziger greller Spot blieb. Er fiel allein auf den Ball, als dieser den Fuß des Doverener Stürmers verließ.

 

Langsam stieg er auf, drehte sich in der Luft und verschwand schließlich aus diesem grellen Scheinwerferlicht im rechten Winkel des Holzweiler Tores.

 

Ein letztes Mal schossen die Herzfrequenzen der mitgereisten Anhänger aus dem Junkerwald in schwindelnde Höhen, ehe sie im Ausbruch des Jubels wieder zu ihrem gewohnten Rhythmus fanden. Zwei Minuten später war dieser wichtige Auswärtssieg besiegelt und überall dort, wo ein Herz für die Viktoria schlägt, kehrte wieder Ruhe ein.

 

Engel - S. Goertz, Hickmann, F. Goertz, Lewezki - Enis Cobanoglu, C. Goertz, van Zanten (80. Rumpf), Sagert (36. Müller) (74. Bieonuma), Yesil - Marcos

 

Stephan Epple

 

 

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Veröffentlichung

So, 08. März 2026

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