Spielbericht: Adler Effeld - Viktoria Doveren
Das kleine Adventswunder bleibt aus
Wenn man beim Betreten der Sportanlage mit einem herzlichen „Goede Middag“ und einem freundlichen „lekker fris“ begrüßt wird, weiß der gemeine Fußballfreund aus dem Kreis Heinsberg sofort: Man befindet sich im Grenzgebiet zu unseren lieben Nachbarn aus den Niederlanden. Genauer gesagt im Waldseestadion von Effeld, wo an diesem frisch-kalten 1. Advent unsere Viktoria antrat, um dem Tabellenführer ein wenig Doverener „Voetbal totaal“ näherzubringen.
Gestärkt durch das Selbstvertrauen aus dem Kleingladbach-Spiel machten sich die Jungs vom Junkerberg daran, auch die stolzen Effelder Adler herauszufordern, mit der berechtigten Hoffnung, zumindest einen Punkt aus deren Horst zu entführen. Und die Partie begann verheißungsvoll. Kaum waren drei Minuten gespielt, da schüttelte Kapitän Louis van Zanten auf Höhe der Mittellinie einen Toni-Kroos-Gedächtnispass aus dem Fußgelenk: eine butterweiche, millimetergenaue Spielverlagerung, die Rechtsaußen Ramon Marcos auf die Reise schickte.
Doverens Nummer 7 entwischte seinem Gegenspieler mit einem unwiderstehlichen Antritt und zog mit großer Dynamik in den Effelder Strafraum ein. Vom rechten Strafraumeck visierte er aus gut elf Metern die lange Ecke an und ließ Effelds Schlussmann nicht den Hauch einer Chance. 1:0 für die Viktoria: ein Start nach Maß, der das Waldseestadion kurzzeitig verstummen ließ.
Effeld wirkte nach dem frühen Rückstand sichtlich geschockt und suchte zunächst vergeblich nach einem Mittel gegen die nun dicht gestaffelten Abwehrreihen der kompakt stehenden Doverener. Doch langsam, beinahe tastend, fanden die Gastgeber wieder zurück ins Spiel und versuchten, mit zunehmender Geduld und Präzision Lücken im grünen Bollwerk zu entdecken.
Ein hohes, intensives Pressing der Effelder und ständige Spielverlagerungen über ihre pfeilschnellen Außenstürmer brachten die Krieger-Truppe zunehmend in Bedrängnis. Vor allem die immer wieder entstehenden Überzahlsituationen auf den Flügeln stellten Doveren mit fortschreitender Spieldauer vor stetig wachsende Probleme. Man spürte, dass der Tabellenführer allmählich seinen Rhythmus gefunden hatte und dadurch die Viktoria mehr und mehr ins Laufen geriet.
In der 23. Minute war es schließlich so weit: Ein öffnender Pass in die Schnittstelle erreichte den auffälligen Jansen, der völlig ungestört in den Strafraum eindringen konnte. Dort stand der Effelder Linksaußen sträflich frei und legte den Ball mustergültig quer auf den mit aufgerückten Schippers. Der ließ sich nicht zweimal bitten und jagte das Leder unhaltbar über den chancenlosen Erik Engel hinweg unter die Latte. Der Ausgleich war zu diesem Zeitpunkt leider verdient.
Vom 1:1 geradezu beflügelt, erhöhte der noch ungeschlagene Tabellenführer weiter den Druck. Die Viktoria kämpfte, stemmte sich dagegen, verteidigte mit Herz, doch Effeld hatte nun eindeutig Oberwasser. Kurz vor der Halbzeit erzwang die Heimmannschaft schließlich eine Ecke. Der scharf hereingetretene Ball wurde im Strafraum leicht, aber entscheidend abgefälscht und klatschte via Schiffer ins Doverener Tor. 2:1, ein Nackenschlag unmittelbar vor dem Pausenpfiff.
In der Halbzeitpause versuchte Trainer Dennis Krieger seine Mannschaft noch einmal mit frischem Selbstvertrauen zu füttern. Mit ruhiger, aber bestimmter Stimme erinnerte er daran, die Zweikämpfe entschlossener anzunehmen und im Kampf um den Ball wacher, giftiger und präsenter zu sein. Es war der Versuch, die Köpfe wieder aufzurichten, doch schon wenige Minuten nach Wiederanpfiff zeigte sich, dass Effeld an diesem Tag kaum noch zu bändigen war.
Die Gastgeber kamen deutlich besser aus der Pause und knüpften nahtlos an ihre druckvolle Phase vor dem Seitenwechsel an. Sie schnürten unsere Viktoria zunehmend in der eigenen Hälfte ein und erspielten sich Chance um Chance. Mitte der zweiten Halbzeit war der Druck auf die Doverener Defensive beinahe erdrückend. Eine echte Entlastung nach vorne fand schlicht nicht statt; jeder Befreiungsschlag kam postwendend zurück wie ein Bumerang.
Dass die Viktoria überhaupt noch theoretische Hoffnungen auf den Ausgleich hatte, war einzig Keeper Erik Engel zu verdanken. Innerhalb von nur fünf Minuten parierte Doverens Lebensversicherung gleich drei Hundertprozentige mit Reflexen, die das Prädikat „Weltklasse“ mehr als verdient hatten. Doch in der 77. Minute war selbst er machtlos: Nach einem fein gespielten Steckpass hinter die Abwehr hob Schippers den Ball gefühlvoll über den herausstürmenden Engel hinweg und schnürte damit seinen Doppelpack. 3:1 für den Klassenprimus.
Das Spiel war damit praktisch entschieden. Doveren versuchte zwar noch einmal, offensiv Gefahr auszustrahlen, doch die weit geschlagenen Bälle waren leichte Beute für die sicher stehende Adler-Abwehr. Mit dem Schlusspfiff setzte Effeld schließlich den letzten Akzent des Tages: Jansen vollendete einen Konter trocken zum 4:1-Endstand.
Am Ende blieb das erhoffte Adventswunder aus und die Viktoria musste sich mit einer bitteren Niederlage begnügen. Effeld sagte freundlich „Tot ziens“ und unsere Jungs verschieben den „Voetbal totaal“ auf nächste Woche.
Aufstellung: Engel - S. Goertz, Verim, Hickmann, Lewezki (75. Müller) – Enis Cobanoglu, C. Goertz, van Zanten, Yesil, Marcos Jimenez – Nolte (70. Rohloff)
Rumpfelf holt Punkt in Immerath
Unsere Reserve konnte den Adventsauftakt immerhin ein wenig freundlicher gestalten. Trainer Yves Nolte schickte sein letztes Aufgebot ins Rennen. Eine echte Rumpfelf, die sich trotzdem tapfer ins Getümmel warf. Was folgte, war ein klassisches Kampfspiel zweier Teams, die sich nichts schenkten und am Ende auch keinen Sieger verdient hatten. Ein Punkt, ein hartes Stück Arbeit und ein kleines Adventslicht am heutigen eher tristen Fußballsonntag.
Stephan Epple
Weitere Informationen
Veröffentlichung
Weitere Meldungen
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin
Mo, 10. August 2026
Kreispokal; 1. Runde: Viktoria Doveren - Rheinland Dremmen