Dem Fritz sein Wetter, aber das Wunder bleibt aus

Als ein etwas älterer Zuschauer gestern Nachmittag beim Spiel unserer Viktoria gegen die Reserve von Würm-Lindern die jüngeren Spieler auf der Ersatzbank fragte, wer denn den Begriff „Fritz-Walter-Wetter“ kenne, blickte er zunächst in eine Reihe ziemlich ratloser Gesichter. Anfang zwanzig, allesamt. „Nie gehört.“ „Hat das was mit Regen zu tun?“ Oder „wie heißt der mit Nachnamen?“

 

Tja. Und dann wundern wir uns noch über unser schlechtes Abschneiden bei der Pisa-Studie, wenn selbst solche Begriffe aus dem kleinen Einmaleins deutscher Fußballgeschichte nicht mehr zuverlässig den Weg in die Gehirnwindungen der TikTok-Generation finden.

 

Als der mittlerweile nicht mehr ganz taufrische Mittfünfziger daraufhin, in der Hoffnung, bei den jungen Hüpfern doch noch einen Funken geschichtlicher Erkenntnis zu entzünden, das „Wunder von Bern“ ins Gespräch brachte, kam tatsächlich eine Antwort.

 

„Ja, da gab es doch mal dieses Musical, das ich mit meinen Eltern in Hamburg gesehen habe.“

 

Radio-Legende Herbert Zimmermann würde für die Generation Z vermutlich nur ein Wort ins Mikro brüllen: „Lost!"

 

 Fritz-Walter-Wetter in Würm. 

 

Aber belassen wir es bei dieser außerfußballerischen Schmonzette und konzentrieren wir uns auf das Wesentliche.

 

Unsere Viktoria war zu Gast bei Union Würm-Lindern II, einem direkten Konkurrenten aus dem Tabellenkeller. Bei permanentem Dauerregen ging es dabei nicht nur darum, endlich das erste Saisontor zu erzielen, sondern, wenn möglich, auch direkt den ersten Sieg einzufahren. Auf dem tiefen Geläuf des Würmer Rasenplatzes entwickelte sich von Anfang an das erwartete Kampfspiel, in dem die Spieler des Zwei-Dörfer-Klubs zunächst besser in die Partie fanden. Besonders über ihren schnellen rechten Außenstürmer gelang es der Union immer wieder, gefährlich in die Nähe des Kastens von Schlussmann Daniel Kuhnen zu kommen.

 

Allerdings blieben die Chancen zunächst nicht zwingend genug, um größere Gefahr heraufzubeschwören. Im Gegenzug versuchte unsere Viktoria immer wieder, mit schnellen Pässen nach vorne die einzige Spitze Lars Rumpf einzusetzen. Dem fehlten nach guten Aktionen jedoch häufig die entscheidenden Anspielstationen, um daraus etwas Zählbares zu machen. Zumeist waren auch die langen Bälle nach vorne aufgrund des nassen und schnellen Rasens zu unpräzise und für unsere Schienenspieler Eli Rohloff und Jordan Sosnowski kaum erreichbar.

 

Etwas reifer wirkten die Vorträge nach vorne bei den beiden spielstarken Unionern Muth und Röhlen im Mittelfeld. Röhlen war nach einer Viertelstunde auch an der Führung der Gastgeber beteiligt. Seine Ecke landete auf dem Kopf von Maybaum, dessen Abschluss Kuhnen zwar noch berührte, aber nicht mehr entscheidend abwehren konnte.

 

Schockiert wirkte die Truppe von Thorsten Berg nach dem Rückstand und musste sich zunächst neu ordnen. Allerdings hatte man das Gefühl, dass der Gegentreffer am ohnehin schon arg gebeutelten Selbstvertrauen nagte und den Unionern natürlich in die Karten spielte. Nach vorne lief nicht mehr viel zusammen, während Lindern immer wieder Druck auf unsere Abwehr ausüben konnte. Nach einem schweren Stellungsfehler auf der linken Außenseite der Viktoria-Defensive nutzte der flinke Außenstürmer Bob-Manuel die Gelegenheit eiskalt aus und legte den Ball quer auf den heranstürmenden Röhlen, der nach 40 Minuten zum 2:0 für die Union einschob.

 

Und so ging es auch mit dem - Achtung, liebe Gen Z - Berner Zwischenergebnis von 0:2 in die Halbzeitpause. Es brauchte also ein kleines Wunder, um die drohende Niederlage noch abzuwenden. Zwar hatte Thorsten Berg keinen Führungsspieler à la Fritz Walter in seinen Reihen, doch mit der Einwechslung von Stefan Röhrnbeck für Fabian Goertz wurde die nötige Initialzündung für eine Aufholjagd gestartet. Der erfahrene Röhrnbeck riss die Truppe zu Beginn mit und eröffnete in der zweiten Hälfte ein regelrechtes Powerplay auf das Tor der Unioner. Die Angriffe rollten nun im Minutentakt auf das Gehäuse der Gastgeber zu.

 

Aber wie so oft in den vergangenen Wochen war der Fußballgott kein grün-weißer. Immer wieder scheiterten gut vorgetragene Angriffe am letzten Pass, an der Grätsche eines gegnerischen Abwehrspielers oder am Pfosten – 55. Minute: Bene Schmitz – des Union-Tores. 

 

Doch dann kam der Max-Morlock-Moment (gerne googlen, Gen Z) von Stefan Röhrnbeck. In der 61. Minute behauptete er sich im Strafraum der Unioner und leitete nach geschickter Ballannahme mit einem satten Schuss ins kurze Eck die vermeintliche Aufholjagd ein.

 

Und die Elf vom Junkerberg versuchte es weiter. Mit aller Macht spielte sie auf den Ausgleich. Und wäre dieser gefallen, so waren sich die jungen Hüpfer auf der Bank und die Generation X im Zuschauerstand sicher, dass das nächste Musical in Hamburg vom „Wunder von Würm“ erzählen würde.

 

Doch trotz großen Kampfes blieb es letztendlich aus. Die Union schaffte es, den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen, und die Helden von Bern wurden nicht durch die Helden von Würm abgelöst.

 

Kuhnen - Kohnen, C. Goertz, Mickels, F. Goertz (46. Röhrnbeck) - Lewezki , T. Rumpf (81. Gruntmann), Schmitz (90. Allwicher), Sosnowski (80. Bieonuma), Rohloff - L. Rumpf

 

Stephan Epple

 

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Veröffentlichung

Mo, 14. September 2026