Sommerlicher Junkerberg, aber herbstliche Punkteausbeute

Eigentlich war alles angerichtet an diesem herrlichen Sonntagnachmittag auf dem Junkerberg. Der Kühlschrank voll mit Kostbarkeiten für den Blutzuckerspiegel und den Gamma-GT-Wert der Leber. Im großen druidischen Zauberkessel blubberte die Currywurst in ihrer magischen Geheimsoße vor sich hin. Fast noch handwarme Brötchen vom hiesigen Bäcker lagen aufgeschnitten herum und warteten auf ihren großen Moment als natürlicher Handhalter für die frisch gegrillten Krakauer.

 

Nach und nach füllte sich der Junkerberg mit den treuen Schlachtenbummlern aus Doverheide und -hahn, der Siedlung und mindestens aus dem näheren Umkreis von 50 Kilometern rund um den Junkerwald. Die Jungs vom Junkerberg wärmten sich motiviert auf, mit dem Selbstvertrauen aus dem wichtigen Punktgewinn gegen Kleingladbach im Gepäck. Dazu die musikalische Untermalung aus der Bluetoothbox. Perfekt abgestimmt.

 

Sogar der Wettergott hatte offenbar noch einmal Bock. Sonne. 25 Grad. Ein letzter warmer Kuss, bevor die dunkle Jahreszeit kommt und einem wieder monatelang ins Gesicht pisst. Der Sommer stahl dem herannahenden Herbst noch einmal einen Tag und schuf damit eigentlich alles, was man für einen gepflegten Heimdreier im Derby gegen die Gäste des TuS Jahn Hilfarth so braucht.

 

Eigentlich.

 

Denn für die junge Truppe von Thorsten Berg fühlte sich dieser Nachmittag schon bald eher an wie ein nasskalter Wintermorgen, an dem man mit fiebriger und eitriger Erkältung aufwacht und sich fragt, welches Gebräu gestern Nacht um Drei die Grippeviren infiltriert hat.

 

Dabei begann die Viktoria vielversprechend. Erste Chance vor dem Hilfarther Gehäuse und direkt ein Strafstoß. Plötzlich stand die Tür zum ersten Saisontreffer sperrangelweit offen. 

 

Doch Kapitän Chris Goertz machte sie wieder zu.

 

Der Keeper des TuS ahnte die Ecke und parierte den Elfmeter.

 

Tja. Und wenn man vorne die Dinger nicht macht, braucht man auch keinen Fußballexperten im Münchner Doppelpass zu befragen. Diese Weisheit gilt in allen Herrenländern, in denen gegen den Ball getreten wird. Kreis-, Bezirks-, Ober- oder Bundesliga, völlig egal. Wer vorne nicht trifft, bekommt hinten irgendwann die Rechnung. Und die kommt selten auf Seidenpapier.

 

Nach einer halben Stunde lag Doveren mit 0:2 hinten. Nicht unverdient.

 

Der TuS zeigte die reifere und cleverere Spielweise. Immer wieder brachten Überzahlspiele über die Außen und schnelle Spielverlagerungen mit Diagonalbällen die Doverener Hintermannschaft in Schwierigkeiten. Die Jungs vom Junkerberg liefen. Hilfarth spielte.

 

Und so ging es auch in Hälfte zwei weiter. Die Elf vom Junkerberg musste sich der Angriffe der Jahner erwehren und hatte dabei das eine oder andere Mal Glück, dass auch der TuS beim Abschluss eine gewisse Laissez-faire-Haltung an den Tag legte. Man hätte es sonst vermutlich noch früher hinter sich gehabt.

 

Zwischen der 60. und 80. Minute keimte dann tatsächlich so etwas wie Hoffnung auf. Nicht viel. Aber immerhin. Die Viktoria arbeitete sich die eine oder andere Chance heraus.

 

Nach einer kurz ausgeführten Ecke scheiterte Bene Schmitz am Keeper. Lars Rumpf versuchte es mit einem platzierten Freistoß und blieb zweiter Sieger. Und wenn einmal nicht Hilfarths Schlussmann im Weg stand, dann war es eben der Querbalken, der nach einem Thorben-Rumpf-Schlenzer vom Sechzehner den Einschlag verhinderte.

 

Irgendwer hatte offenbar beschlossen, dass Doveren heute kein Tor schießen sollte.

 

Letztendlich fiel das Tor dann doch. Natürlich auf der anderen Seite.

 

Da durfte der eine oder andere grün-weiße Supporter durchaus an die Worte des Green-Day-Frontmanns Billie Joe Armstrong denken: „Weck mich, wenn der September vorbei ist.“

 

In dieser einsetzenden Spätsommermüdigkeit war das 0:4 in der 90. Minute dann auch schon egal.

 

Drei Spiele. Ein Punkt. 0:8 Tore.

 

Eigentlich fehlen bei einer solchen Statistik die positiven Argumente für die Mannschaft. Eigentlich. Aber es gibt trotzdem ein paar Indizien, die Mut machen.

 

Die Jungs sind nach dem Abpfiff jedenfalls nicht wie beleidigte Diven nach einem letzten Platz bei einem Schönheitswettbewerb des Verbandes der deutschen Schweinezüchter abgedampft. Kein kollektives Schmollen und kein demonstratives In-die-Gegend-Starren. Schwere Enttäuschung ja klar, aber kein Sand in den Kopf stecken, oder so ähnlich.

 

Stattdessen blieben sie zusammen. Sie analysierten, diskutierten und überlegten bereits, wie sie das Ruder herumreißen können und welche Fehler unbedingt abgestellt werden müssen.

 

Das ist vielleicht noch kein Grund, die Meisterfeier zu planen. Aber immerhin ein Anfang.

 

Denn das nächste Spiel dürfte schon richtungsweisend werden. Am kommenden Wochenende geht es zur Reserve des Aufsteigers Würm-Lindern. Ein echtes Kellerduell, wenn man so will. 

 

Und als würde der Wettergott die passende Kulisse gleich mitliefern, sieht es derzeit danach aus, als würde dieser Nachmittag eher herbstlich trist daherkommen.

 

Kuhnen - Kohnen, C. Goertz, Mickels, F. Goertz - Röhrnbeck (80. Lewezki), T. Rumpf, L. Rumpf, Sosnowski (42. Korkmaz), Rohloff (46. Schmitz) - Rebing (84. Allwicher)

 

Stephan Epple

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Veröffentlichung

So, 06. September 2026