0:4 in Katzem: Wir müssen alle wieder mehr arbeiten
Jo, jetzt sind wir mal typisch deutsch.
Und wenn man typisch deutsch meint, dann bitte auch typisch Friedrich-Merz-deutsch.
Also: Wo fängt man an, sich zu beschweren?
Am besten ganz am Anfang.
Erstens: Einen Parkplatz am Katzemer Nysterbachstadion zu finden, ist ungefähr so leicht, wie wenn der Bundeskanzler einmal ein ehrliches Kompliment an seine hart arbeitende Schmarotzerbevölkerung richtet. Also praktisch unmöglich.
Zweitens: Einen sicheren Weg rund um den Rasenplatz des Nysterbachstadions zu finden, ist ebenfalls eine kleine Herausforderung. Bei jedem zweiten Schritt muss man aufpassen, nicht auf irgendeiner stacheligen, wabbeligen Kastanienhülle wegzurutschen und anschließend wie Igel Mecki auszusehen. Fußball gucken, ja. Überlebenstraining, offenbar auch.
Drittens: Der Rasen war zwar schön grün, erinnerte unter den Füßen allerdings eher an den Untergrund eines besseren After-Wacken-Festivals. Irgendwo zwischen Mondlandschaft und Rheinbraun-Tiefbau. Der rechte Knöchel des wütenden Schreiberlings dieses Berichts schimmert seit der Überquerung jedenfalls in sämtlichen Farben des Regenbogens.
Und bevor hier jemand auf dumme Gedanken kommt: Jegliche gehässige Bemerkung gegen die Regenbogen-Farben wird an dieser Stelle untersagt. ACAB: All colors are beautiful.
Die Schlaglöcher waren jedenfalls groß genug, um darin einen kleinen Schützengraben der Normandie nachzustellen.
Viertens: Der eine oder andere Antagonist der holzweiler-katzemerschen Fangemeinde bewies keine besondere Trinkfestigkeit an der Flasche und ließ mit lockerer Zunge und übertriebener Attitüde seinen seltsamen Gefühlen gegenüber Radio Mickels und dem immer und stets fairen, gutmütigen und zuweilen sogar friedlichen Doverener Anhang freien Lauf.
Dabei wurde eine Sprache gewählt, die selbst irgendeine Gestalt aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel vermutlich noch mit der Eloquenz eines Marcel Reich-Ranicki, eines Hellmuth Karasek oder einer leicht genervten Elke Heidenreich nicht anschaulicher hätte präsentieren können.
Kurz gesagt: Es war sprachlich nicht gerade das literarische Quartett.
Fünftens: Das Wetter. War einfach scheiße.
Jacke an.
Jacke aus.
Geschwitzt.
Wieder kalt.
Jacke an.
Jacke aus.
Und alles wieder von vorne.
Danke Merkel!
Aber vielleicht ist das in den Abendstunden dieses ausklingenden Sonntags auch schon alles ein wenig Verklärung.
Und bevor hier noch weitere wutbürgerliche Anekdoten in den Äther geschossen werden und womöglich die Anwälte von Friedrich M. anfangen, strafrechtlich interessante Zusammenhänge zwischen diesem Bericht und der Meinungsfreiheit zu suchen, muss man am Ende wohl doch einräumen:
Die eigentliche Ursache für diese ganzen Ausbrüche waren wohl eher die Ergebnisse unserer beiden Seniorenmannschaften.
Mit 0:4 wurde unsere Erste von der SG Holzweiler-Katzem nach Hause geschickt.
Im ersten Saisonspiel der Spielzeit 2026/27 starteten die Jungs von Trainer Thorsten Berg zunächst mit Ruhe und einem defensiven Ansatz in die Partie. Die beiden Routiniers Chris Goertz und Marius „Radio“ Mickels liefen in der Innenverteidigung auf und versuchten, mit ihrer Erfahrung der jungen Junkerberg-Elf den nötigen Halt zu geben.
Auf der Doppelsechs liefen die unermüdlichen Jungspunde Chris Kohnen und Thorben Rumpf auf. Leider mussten sie dabei über weite Strecken dem dominierenden Mittelfeld der SG hinterherlaufen und mehr Löcher stopfen, als einem lieb sein konnte.
Vorne versuchte Tobi Sagert, das Spiel an sich zu ziehen und Akzente nach vorne zu setzen. Doch auch er war vor allem in der ersten Hälfte fast ausschließlich mit Defensivaufgaben beschäftigt und konnte seine Kreativität kaum ausleben. Das bekamen auch die beiden Außenbahnspieler Lars Rumpf und Jordan Sosnowski zu spüren. Auf ihre Schnelligkeit setzte Trainer Berg, um über die Außen Richtung Strafraum der Gastgeber zu gelangen. Doch zu selten schaffte es die Viktoria, diese Waffen mit Diagonalbällen überhaupt ins Spiel zu bringen.
So spielte sich die Begegnung hauptsächlich in der Hälfte der Doverener ab. Immerhin stand man zunächst sicher und konnte die gefährliche Offensive aus Holzweiler weitgehend im Schach halten.
Bis zur 22. Minute.
Eine kurze Unaufmerksamkeit genügte und die Heimmannschaft erzielte die nicht unverdiente Führung. Danach plätscherte das Spiel vor sich hin wie lauwarmer Kaffee in den frühen Morgenstunden einer Kaffeemaschine im Kanzleramt, die ihre besten Tage längst hinter sich hat.
Mit dem 0:1 ging es in die Pause.
Trainer Berg muss in der Halbzeit dann die richtigen Worte gefunden haben. Nach dem Wiederanpfiff trauten sich die Jungs vom Junkerberg endlich aus ihrer Einigeltaktik heraus und versuchten zunehmend, das Spiel in die Hälfte der Heimmannschaft zu verlagern.
Und plötzlich war sie da, die große Gelegenheit zum Ausgleich.
Nach einer tollen Balleroberung von Chris Goertz spielte dieser einen öffnenden Pass auf den nach vorne eilenden Außenverteidiger Malik Korkmaz. Der legte den Ball quer in den Sechzehner, wo Jordan Sosnowski heranstürmte. Der 18-Jährige nahm die Kugel in Rückenlage und jagte sie über das Gehäuse.
Eine richtig gute Chance in der 60. Minute.
Zugegebenermaßen war sie damit auch ziemlich allein auf weiter Flur.
Die Viktoria blieb zwar bemüht, doch es fehlte an Durchschlagskraft. Anders die SG Holzweiler-Katzem. Die Gastgeber spielten ihre Konter konsequent zu Ende und erhöhten ab der 74. Minute innerhalb kurzer Zeit auf 4:0.
Für den Saisonstart war das natürlich eine herbe Enttäuschung für die junge Truppe. Nichtsdestotrotz waren vielversprechende Ansätze zu sehen, auf denen sich aufbauen lässt. Mit weiteren Spielen, wachsender Erfahrung und hoffentlich etwas mehr Mut im eigenen Ballbesitz werden die Jungs vom Junkerberg auch ihre Erfolgserlebnisse einfahren.
Bis dahin heißt es: Arbeiten. Arbeiten. Arbeiten.
Das freut dann auch wieder Fritze Merz.
Kuhnen - Korkmaz, C. Goertz, Mickels, F. Goertz - Kohnen, T. Rumpf, L. Rumpf, Sosnowski (88. Windeck), Sagert (82. Allwicher) - Nolte (46. Lewezki)
Reserve verpatzt Saisonstart
Auch von der Zweitvertretung lässt sich leider keine frohe Kunde vermelden. Im Heimspiel gegen die Zweite des Sportclubs Wegberg setzte es eine 1:3-Pleite.
Nach einem frühen 0:2-Rückstand konnte „Bomber“ Sebastian Sonn zwar verkürzen und brachte damit wieder etwas Leben in die Bude. Ausgerechnet er ließ anschließend jedoch – für seine Verhältnisse höchst ungewöhnlich – beste Möglichkeiten zum Ausgleich liegen.
So blieb es beim Hoffen, Zittern und Vergeben, bis die Gäste mit dem Schlusspfiff endgültig den Deckel draufmachten und zum 1:3 trafen.
Damit ist auch bei der Reserve der Saisonstart gründlich in die Hose gegangen.
Stephan Epple