Spielbericht: Viktoria Doveren - Adler Effeld
KLASSENERHALT!
Kaiserwetter an Pfingsten spülte halb Doveren hinauf zum Junkerberg, wo das richtungsweisende Spiel gegen Tabellenführer SV Adler Effeld anstand. Einige dürften tags zuvor wohl noch die Pfingstmesse besucht haben, um Petrus gnädig zu stimmen, denn die Sonne knallte erbarmungslos auf die Häupter am schönsten Fleck der Welt. Zum Glück spendeten die schattigen Plätze am Waldbiotop und an der kühlen Vorderwand des Schank- und Gerätehäuschens etwas Linderung in der flimmernden Hitze, die sich wie ein goldener Schleier über das Stadion legte. Wem das nicht reichte, der griff eben zum herben Kaltgetränk aus der Eifel. Dazu sorgten Grillgut und Pommes für die nötige Nachmittagsschwere und beruhigten so manchen nervösen Magen gleich mit.
Während sich die Windräder hinter den Baumwipfeln des Junkerwaldes beinahe apathisch durch die heiße Luft drehten, vibrierte unter dieser trägen Vorsommerkulisse eine Spannung, die man schmecken konnte.
Trainer Quappo Marcos hatte seiner noch immer nicht endgültig vom Abstieg befreiten Mannschaft offenbar genau die richtigen Worte mit auf den Weg gegeben. Die Jungs vom Junkerberg legten los wie die Feuerwehr. Der designierte Meister aus Effeld wusste zunächst gar nicht, wie ihm geschah, und zeigte sich sichtlich beeindruckt. Hier spielte kein verängstigter Abstiegskandidat, sondern eine Viktoria, bei der man sich bis heute fragt, woher eigentlich die dunkle Schwächephase zu Beginn der Rückrunde gekommen war.
Doch schon nach fünf Minuten wusste jeder Viktorianer wieder, warum man plötzlich unten drinstand und nicht irgendwo im gesicherten Mittelfeld. Aybo Köse tauchte frei vorm Schlussmann auf, scheiterte jedoch im Eins-gegen-eins und riss damit die alte Wunde erneut auf, die der Viktoria seit Wochen Schmerzen bereitete. Chancen wurden herausgespielt, teilweise wunderschön vorgetragen wie kleine Fußballgedichte, doch im entscheidenden Moment fehlte die letzte Kaltschnäuzigkeit. Genau deshalb steckte man unten drin. Nicht, weil man schlechter Fußball spielte. Sondern weil Fußball eine erbarmungslose Scheiße ist, die Schönheit nur selten belohnt.
So zog sich dieses Bild durch die erste Hälfte. Doveren spielte mutig, ansehnlich, zeitweise sogar frech. Der Ball lief sauber durch die Reihen, die Zweikämpfe wurden angenommen, und die Gäste aus Effeld wirkten zwischenzeitlich irritiert darüber, dass ihnen hier kein eingeschüchterter Abstiegskandidat gegenüberstand. Allein das ließ draußen am Spielfeldrand manche bereits von einer kleinen Sensation träumen.
Aber gefährlich blieb Effeld trotzdem. Mitte der ersten Halbzeit schoss einer der Adler aus dem Grenzort einen wuchtigen Distanzschuss Richtung Doverener Gehäuse, doch Keeper Erik Engel verhinderte Schlimmeres und hielt die Hoffnung der Heimfans mit beiden Händen fest. Wirklich überzeugend wirkte der Favorit an diesem Nachmittag allerdings nicht. Vor allem, weil die Viktoria erstaunlich wenig zuließ. Doveren stand kompakt, verteidigte leidenschaftlich und zeigte eine Entschlossenheit, die man in den vergangenen Wochen nicht immer gesehen hatte. Die Hitze hing schwer über dem Junkerberg, doch die Heimelf arbeitete unbeirrt weiter, als wolle sie der gesamten Liga beweisen, dass dieses Dorf noch lange nicht bereit war, sich seinem Schicksal zu ergeben.
So ging es mit einem 0:0 in die Halbzeit und mit diesem leisen Gefühl in der Luft, dass der Fußball manchmal doch noch Geschichten schreibt, die größer sind als Tabellenstände.
Und tatsächlich bahnte sich die Sensation kurz nach Wiederanpfiff an. In der 49. Minute brachte eine fein ausgespielte Freistoßvariante die verdiente Führung für die Viktoria. Statt einer hohen Flanke spielte Ramon Marcos den Ball scharf zum aufgerückten Julian Hickmann, der sich nicht zweimal bitten ließ und die Kugel trocken im Netz versenkte. Für einen kurzen Moment schien der Junkerberg zu beben. Grenzenloser Jubel schwappte über die Seitenlinie wie eine grün-weiße Welle.
Doch es waren noch gut 40 Minuten zu spielen. Minuten, die sich zogen wie ein heißer Sommertag ohne Schatten. Die Jungs vom Junkerberg machten allerdings nicht den Eindruck, als wollten sie sich die Butter noch vom Brot nehmen lassen. Im Gegenteil: Doveren spielte weiter mutig nach vorne und suchte die Entscheidung.
Doch dann meldete sich das alte Problem erneut zurück: die Chancenverwertung. Und so kam es, wie es in den vergangenen Wochen leider zu oft gekommen war. Drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit erzielte Effeld noch den schmeichelhaften Ausgleich.
Die letzten Minuten des Spiels zappelten wie Mücken am Fliegenfänger. Sie starben einen langsamen Tod, erschöpft vom Überlebenskampf. Beinahe hätte Tobi Sagert noch einmal für Leben in der Bude gesorgt, doch auch er ließ die große Chance auf den Sieg liegen.
Am Ende stand ein 1:1. Ein Ergebnis, das die Effelder fair als glücklich bezeichneten. Dass dieser Punkt am Ende trotzdem vergoldet sein sollte, erfuhr der Junkerberg erst kurz nach Abpfiff beim Blick auf das Ergebnis aus Birgelen. Großes Kompliment an den TuS Jahn Hilfarth, der sich trotz gesichertem Mittelfeldplatz nicht hängen ließ und ein 2:3 in den Schlussminuten noch in einen 4:3-Sieg drehte.
Damit beträgt der Vorsprung der Viktoria auf den ersten Abstiegsplatz sieben Punkte bei noch zwei ausstehenden Spielen.
Und plötzlich fiel all die Schwere dieser Saison von den Schultern.
KLASSENERHALT.
Chapeau, Jungs.
Viktoria: Ein Dorf – Ein Team!
Engel - Müller (91. Sagert), Hickmann, F. Goertz (46. S. Goertz), van Zanten - Morr, C. Goertz, Yesil (90. Lewezki), Rohloff, Marcos - Köse
Reserve mit ungefährdetem Sieg
In der prallen Mittagssonne fuhr unsere Reserve einen ungefährdeten Sieg gegen den Tabellennachbarn aus Immerath ein. Damit ist der fünfte Tabellenplatz bereits sicher und vielleicht geht der Blick in den letzten Spielen sogar noch ein Stück weiter nach oben Richtung Platz vier, wo Klinkum II wartet.
Die Nolte-Truppe machte dabei keine große Wissenschaft aus der Nummer. Man merkte früh, dass die Jungs keinen Bock auf unnötige Spannung hatten. Hinten wurde aufgeräumt, vorne wurde zugestochen Die Reserve aus Immerath lief bei der Hitze meist nur hinterher wie einer, der samstags morgens um halb vier nach durchzechter Nacht noch den letzten Taxiteller sucht. Kein großes Spektakel, Sommerfußball! Einfach ehrliche Kreisliga-Arbeit mit nassgeschwitzten Trikots und trockener Kehle.
Die Treffer erzielten Kevin Pretzl, Stefan Röhrnbeck und Suhan Keskin.
Stephan Epple
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Mo, 10. August 2026
Kreispokal; 1. Runde: Viktoria Doveren - Rheinland Dremmen