Vorschau: Viktoria Kleingladbach - Viktoria Doveren

Zwischen Bieratem und Tabellenrechner: Auswärtsspiel an der Heubahn

Mit dem verdammt wichtigen Sieg gegen den VfJ Ratheim hat unsere Viktoria erstmal verhindert, dass rund um den Junkerberg komplette Weltuntergangsstimmung ausbricht. Jetzt sind es nur noch vier verdammte Spieltage. Vier verdammte Sonntage zwischen Bieratem und Hackfahne. Zwischen Fingernägelkauen und Haareraufen. Zwischen Schiri-Beschimpfung und Torschrei. Für dieses eine verdammte Ziel: den verdammten Klassenerhalt.

 

Dafür braucht es weiter Punkte und am besten schon am kommenden Sonntag. Keiner in Doveren hat nämlich Bock darauf, am letzten Spieltag mit zitternden Händen irgendwelche Live-Tabellen zu aktualisieren und zu beten, dass auf irgendeinem gottverlassenen Acker im Kreisgebiet irgendein hergelaufener, schmerbäuchiger Mittdreißiger noch einen Ausgleich erzielt. Um diesem Szenario aus dem Weg zu gehen, ist bei der Viktoria aus Kleingladbach am Wochenende wieder aller Einsatz gefragt.

 

Jedoch wird es schwer an der Heubahn, denn der Namensvetter wartet mit einer Truppe auf, die weit davon entfernt ist, als Punktelieferant zu gelten. Sie wird sich nicht wie der VfJ hinten reinstellen und den Ball wegdreschen wie besoffene Kids in einer lauen Sommernacht die Mülltonnen am Straßenrand. Die Kleingladbacher können kicken. Schnell, sauber, mit dieser Selbstverständlichkeit einer Mannschaft, die immer noch um den Aufstieg in die A-Liga spielt. Äquivalent zu unserer Viktoria im Abstiegskampf brauchen sie also ebenfalls noch jeden Punkt, um ihre Aufstiegsträume zu erfüllen.

 

Aber genau das könnte den Jungs vom Junkerberg liegen. Diese junge Truppe fühlt sich wohler, wenn das Spiel offen ist, wenn Räume da sind, wenn Fußball nicht bloß aus langen Bällen und kaputtgetretenem Rasen besteht. Das Team von Quappo Marcos will auch Fußball spielen. Will Tempo. Will dieses kurze Gefühl von Freiheit, wenn ein Angriff plötzlich durchs Mittelfeld rauscht und für einen Moment alles möglich scheint.

 

Genau diesen wilden Tempofußball gab es schon im Hinspiel, als beide Mannschaften das triste und graue Novemberwetter mit einem herausragenden Fußballspiel und den leuchtenden Farbklecksen ihres spielerischen Könnens à la Jackson Pollock übermalten. Unsere Viktoria hat damals gezeigt, dass die Mannschaft mehr kann, als nur irgendwie mit letzter Kraft über die Linie zu kriechen. Bis zur letzten Sekunde wurde gefightet und dann fiel tatsächlich noch dieses 2:2. So ein spätes Tor, bei dem plötzlich selbst Leute jubeln, die vorher neunzig Minuten lang nur den Untergang herbeigeredet haben.

 

Natürlich geht Kleingladbach am Sonntag als Favorit in die Partie. Alles andere wäre romantischer Unsinn. Aber genau in solchen Spielen hat unsere Viktoria schon öfter gezeigt, dass sie sich nicht kleinmachen lässt. Vielleicht reicht es am Ende wieder für diesen einen Punkt. Diesen dreckigen, ehrlichen Punkt, der nach Abpfiff schmeckt wie das erste Bier nach einem langen Arbeitstag und den Klassenerhalt plötzlich ein Stück greifbarer macht.

 

Ist der Bomber wieder in Torlaune?

Bereits am Freitagabend läutet die Reserve das Fußballwochenende ein. Flutlichtspiel in Merbeck. Dort wird die klassische Fußballromantik der Kreisliga noch gelebt. Kalte Kabinenluft und dieser leicht abgestandene Geruch nach Finalgon, Altherrenfurz und verschwitzten Stutzen. Und natürlich ein Aschenplatz, der denselben Charme versprüht wie ein drei Wochen vergessenes Handtuch in der Kabine.

 

Kurzum: Die Spielgemeinschaft Merbeck/Viktoria Wegberg empfängt Viktoria Doveren II. Tabellenmäßig bewegen sich beide Teams irgendwo in diesem tristen Niemandsland der Liga, wo es weder um Ruhm noch um große Tragödien geht. Also ein Abend gemacht für ein durch Xanax getränktes 0:0 oder ein espressoüberdosiertes 7:5.

 

Dass zwischen unserer Reserve und der SG kaum Luft passt, hat schon das Hinspiel gezeigt. 2:1 für die Viktoria. Damals flog Marius Mickels früh aus dem Spiel wie ein Typ aus der Doverener Mühle nach dem dritten Streitgespräch über Abseitsregeln. Lange Unterzahl also. Trotzdem blieb die Viktoria stehen. Kratzte, biss und schleppte die drei Punkte irgendwie über die Ziellinie.

 

Dass die Begegnung kein müdes 0:0 wird, verspricht schon die momentane Form von Reserve-Bomber Sebastian Sonn. Einer, der aktuell vor dem Tor ungefähr so viel Nachdenken zeigt wie ein besoffener Dartspieler um halb zwei nachts. Ball kommt. Fuß geht hin. Einschlag. Wenn die Mannschaft es wieder schafft, ihn halbwegs brauchbar in Abschlussposition zu bringen, könnte die Rückfahrt zum Junkerberg erneut in diesem herrlichen Rauschzustand enden, irgendwo zwischen Kabinenmusik, Bierdusche und komplett übertriebener Aufstiegseuphorie für einen simplen Auswärtssieg im Tabellenmittelfeld.

 

Stephan Epple

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Veröffentlichung

Mi, 13. Mai 2026

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