Spielbericht: Viktoria Doveren - Germania Kückhoven

Angst und Schrecken im Abstiegskampf

Dem 2005 verstorbenen US-amerikanischen Schriftsteller und Journalisten Hunter S. Thompson wird in seinem Kultbuch „Fear and Loathing in Las Vegas“ folgendes Zitat zugeschrieben: „Das Leben ist unermesslich besser geworden, seit ich gezwungen wurde, es nicht mehr ernst zu nehmen.“ Dieser Satz wirkte wie eine Blaupause für das gestrige Spiel unserer Viktoria gegen den Gast aus Kückhoven. Am Ende ließ sich das Geschehen nur noch mit bitterem Galgenhumor ertragen, als der Schiedsrichter die Partie nach 96 Minuten abpfiff.

 

Was sich zuvor auf dem Junkerberg abgespielt hatte, war grotesk und kaum zu begreifen. Es wirkte wie eine überzeichnete Szene aus einem Thompson-Text, irgendwo zwischen Wahnsinn und Tragikomödie. Für jeden Grün-Weißen wurde es zunehmend unmöglich, dieses Spiel noch ernst zu nehmen. Man hatte beinahe den Eindruck, als hätten sich sämtliche Fußballgötter gegen die Viktoria verschworen.

 

Im letzten Nachholspiel der Saison bot sich den beiden Mannschaften am frühen Abend eine nahezu perfekte Kulisse. Milde 16 Grad, ein hervorragend gemähter Rasen, der nach den kurzen Regenschauern der vergangenen Tage noch saftiger und grüner wirkte als sonst. Bis auf den verletzten Enis Cobanoglu und Verteidiger Fabian Goertz konnte unsere Viktoria nahezu in Bestbesetzung antreten. Und genau das war von Beginn an zu spüren.

 

Mit gefälligen Passsequenzen, hoher Laufbereitschaft und jenem unermüdlichen Einsatz, der die Viktoria trotz aller Rückschläge seit Wochen im Abstiegskampf auszeichnet, spielte man den Gast aus Kückhoven phasenweise an die Wand. Chancen ergaben sich beinahe im Minutentakt. Mancher Zuschauer rieb sich verwundert die Augen und fragte sich, wie diese Mannschaft überhaupt in einen solchen Abwärtsstrudel geraten konnte.

 

Doch genau dort offenbarte sich auch das Dilemma der Junkerberg-Elf. Mehrere hochkarätige Möglichkeiten blieben ungenutzt, teils fahrlässig, teils schlicht vom Pech verfolgt. Mit jeder vergebenen Chance wuchs die Verzweiflung bei den Zuschauern und der Unglaube auf dem Platz. Als Schiedsrichter Römer der Viktoria dann auch noch einen glasklaren Elfmeter verweigerte, wurde die Begegnung endgültig absurd. Mit 3:0 oder gar 4:0 hätte man zur Pause führen müssen. Stattdessen stand nach 45 Minuten auf beiden Seiten die Null.

 

Nach dem Seitenwechsel bot sich dasselbe Bild. Die Viktoria rannte weiter an, erspielte sich neue Hochkaräter, doch das erlösende Tor wollte lange nicht fallen. Die Minuten verrannen wie Sand durch eine Sanduhr, bis in der 67. Minute endlich das verdiente 1:0 fiel. Nach einem klugen Seitenwechsel von Julian Hickmann fand sich Thorben Rumpf plötzlich am linken Strafraumeck in einer Eins-gegen-Eins-Situation wieder. Er ließ seinen Gegenspieler ins Leere laufen und schloss aus acht Metern trocken ins kurze Eck ab. Der Begriff hochverdient wird im Fußball oft inflationär bemüht, selten aber passte er so sehr wie in diesem Moment.

 

Nun galt es, die Führung zu verteidigen, den bislang harmlosen Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten und über Konter die Entscheidung zu suchen.

 

Lange deutete alles darauf hin, dass dieser Plan aufgehen würde. Das Spiel verlor sich zunehmend im Mittelfeld. Kückhoven blieb bemüht, kam aber kaum gefährlich vor das Tor. Bis auf einen kuriosen Lattentreffer, den die Doverener Hintermannschaft in höchster Not klären konnte, sprach wenig für die bittere Wendung, die sich in den letzten Minuten anbahnte.

 

Der Ausgleich durch Plum in der 84. Minute fiel beinahe aus dem Nichts und wirkte bereits höhnisch. Doch dieses Spiel hatte noch eine grausamere Pointe parat. In der 95. Minute bekam die Viktoria noch einmal einen Freistoß zugesprochen. Fast alle Spieler rückten mit nach vorne in den Strafraum der Gäste, im Glauben, dass es die letzte Aktion im Spiel wäre. Der Ball wurde geklärt und leitete nochmals einen letzten Konter der Germania ein.

 

Und natürlich musste es genauso kommen: Frehse vollendete den Gegenangriff zum 2:1-Auswärtssieg für Kückhoven. Direkt danach war Schluss.

 

Fassungslosigkeit machte sich unter Spielern, Trainerteam und Fans breit. Es fühlte sich an, als würde man über eine Kante treten und unmittelbar ins Nichts stürzen. Ratlosigkeit, Enttäuschung und blanker Unglaube lagen über dem Junkerberg. Dieser Schwebezustand am Abgrund lässt sich kaum in Worte fassen. Selbst Thompsons Erklärungsversuche aus seinem Bestseller helfen nicht das Unerklärbare zu erklären: „Der Abgrund, es gibt keine ehrliche Art, ihn zu erklären, denn die einzigen Leute, die wirklich wissen, wo er ist, sind diejenigen, die ihn überschritten haben.“

 

Und dennoch lebt die Hoffnung weiter. Trotz aller Rückschläge hat unsere Viktoria den Klassenerhalt noch immer in der eigenen Hand. Am kommenden Sonntag gegen das Schlusslicht aus Ratheim bietet sich die nächste Gelegenheit, einen Schritt zurück vom Abgrund zu treten und der Erfahrung des freien Falls zu entgehen.

 

Engel - Lewezki (66. Bieonuma), Hickmann, C. Goertz, S. Goertz -  Morr, Rumpf (78. Rebing), van Zanten, Yesil, Marcos - Köse

 

Stephan Epple

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Veröffentlichung

Fr, 08. Mai 2026

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