Spielbericht: SV Helpenstein II - Viktoria Doveren
Donner, Drama, Ausgleich: Die Viktoria bringt Führung nicht ins Ziel
Als Julian Hickmann zehn Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit zum Elfmeter antrat, lag bereits eine dunkle Vorahnung in der Luft. Am Horizont sammelten sich dunkle beinahe schon tiefschwarze Wolken, schwer und drohend, und schoben sich langsam über das Sportgelände in Wildenrath an diesem warmen Samstagabend. Die aufziehende Gewitterfront wirkte, wie ein leiser Vorbote dessen, was sich wenig später in der Nachspielzeit entfalten sollte.
Gut anderthalb Stunden zuvor war die Zuversicht noch greifbar gewesen. Die Mannschaft von Trainer Quappo Marcos konnte endlich in Bestbesetzung auflaufen. Mit den beiden verlässlichen Innenverteidigern Chris Goertz und Julian Hickmann sowie der lauf- und zweikampfstarken Doppelsechs um die jungen Thorben Rumpf und Ozzy Yesil stand die Viktoria zunächst sicher und hielt dem spielstarken Gegner aus Helpenstein entschlossen stand. Vor allem über die Außenbahnen, wo Philipp Morr und Enis Cobanoglu immer wieder Tempo aufnahmen, setzte man gezielte Nadelstiche.
So fiel auch früh die Führung für die Elf vom Junkerberg. Nach einer klugen Ablage des unermüdlichen Mittelstürmers Aybo Köse traf der überragende Ramon Marcos mit einem kraftvollen Schuss ins linke Eck zur viel umjubelten Führung. Als wieder Marcos nach gut einer halben Stunde, diesmal nach einem feinen Pass von Cobanoglu, frei vor dem Tor auftauchte und überlegt zum 2:0 vollendete, schien selbst das ferne Donnergrollen die Anhänger der Viktoria nicht beunruhigen zu können. Die Hoffnung auf drei Punkte nach langer Durststrecke wuchs von Minute zu Minute.
Zwar erhöhte Helpenstein den Druck auf das Tor von Erik Engel, doch lange Zeit wirkte es nicht, als läge ein Gegentreffer in der Luft. Umso überraschender fiel kurz vor der Pause der Anschluss. Nach einem unnötigen Foul in Strafraumnähe entstand nach der Freistoßflanke eine unübersichtliche Situation, die Möcker aus kurzer Distanz zum 1:2 nutzte.
In der Halbzeit mahnte Quappo Marcos zur Wachsamkeit, insbesondere bei Standardsituationen des Drei-Dörfer-Klubs, und forderte mehr Disziplin in den Zweikämpfen. Doch mit Beginn der zweiten Hälfte nahm der Druck der Gastgeber spürbar zu. Die Viktoria griff nun häufiger zu Fouls, um den Spielfluss zu unterbrechen. Zunächst hielt die Defensive stand. Immer wieder klärten die kopfballstarken Hickmann und Rumpf souverän.
Dann jedoch wurde der ansonsten ordentlich leitende Schiedsrichter Marcell Kuschel zunehmend zum Faktor. Gleich mehrfach lief die Doverener Offensive in aussichtsreichen Kontersituationen allein auf das gegnerische Tor zu, doch jedes Mal entschied Kuschel auf Abseits. Entscheidungen, die berechtigte Zweifel aufwarfen. So blieb es beim knappen Vorsprung, und wie so oft im Fußball nahm das Spiel eine andere Wendung. In der 75. Minute erzielte Bückendorf den Ausgleich zum 2:2.
Als die Partie nun zu kippen drohte, erhielt die Viktoria nach einem Handspiel im Strafraum einen Elfmeter. Hickmann blieb ruhig und verwandelte sicher zum 3:2. Der Auswärtssieg schien zum Greifen nah.
Doch das Spiel war noch nicht zu Ende. Das Donnergrollen wurde lauter, erste Blitze zuckten über den dunklen Himmel, während die Nachspielzeit längst überzogen war. Dennoch lief die Partie weiter, bis Helpenstein einen letzten Freistoß zugesprochen bekam. Der scharf getretene Ball setzte tückisch auf, Engel konnte ihn nur nach vorne abwehren, und Bird reagierte am schnellsten. Aus kurzer Distanz erzielte er in der 96. Minute das 3:3. Kurz darauf ertönte der Schlusspfiff.
Nach der Serie von Niederlagen war der Punktgewinn nicht ohne Wert, doch gemessen am Spielverlauf fühlte er sich wie ein Verlust an. Die Enttäuschung bei der Viktoria war greifbar. Und als der Himmel sich schließlich öffnete und der Regen einsetzte, schien er die Stimmung auf dem Platz widerzuspiegeln, als würde er ein wenig mit den Jungs vom Junkerberg trauern.
Engel - van Zanten, Hickmann, C. Goertz, F. Goertz - Cobanoglu (44. Lewezki), Yesil, Rumpf (94. Müller), Marcos, Morr - Köse (91. Nolte)
Stephan Epple
Weitere Informationen
Veröffentlichung
Weitere Meldungen
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin
Mo, 10. August 2026
Kreispokal; 1. Runde: Viktoria Doveren - Rheinland Dremmen