Spielbericht: SV Immerath - Viktoria Doveren
Marcos-Debüt misslingt: Niederlage in der Schlusssekunde
Tief stand die Frühlingssonne über dem Sportgelände des SV Immerath an diesem für die Junkerberg-Elf so wichtigen Mittwochabendspiel. Im Nachhinein wirkte es beinahe symbolträchtig für die zahlreichen Fans der Viktoria: Der hellste Stern am Firmament leuchtete rötlich-gelb und seltsam gequetscht, als würde ihn eine unsichtbare Hand niederdrücken. Jeden Moment schien er zu zerplatzen wie eine übersatte Mücke und den gesamten Horizont zu bespritzen, während er langsam über dem Platz versank, so wie die Hoffnung auf einen überlebenswichtigen Sieg unserer Viktoria.
Nach dem Paukenschlag zu Beginn der Woche und dem noch immer schmerzlichen Rücktritt von Dennis Krieger versuchte der neue Cheftrainer Quappo Marcos, die Köpfe freizubekommen und seiner Mannschaft einen Neuanfang zu vermitteln. Die Negativspirale sollte durchbrochen werden, im richtungsweisenden Abstiegsduell in Immerath endlich der so dringend benötigte Dreier gelingen.
Eine seiner ersten Maßnahmen war die Reaktivierung von Doverens Urgestein Marius Mickels. Der prägende Führungsspieler der Aufstiegssaison sollte den jungen Akteuren nicht nur spielerisch, sondern vor allem mental Halt geben. Seine lockere, humorvolle Art war in der Kabine, beim Aufwärmen und von der Seitenlinie gefragt. Leichtigkeit statt Verkrampfung sollte die Blockaden lösen. Auch personell stellte Marcos um. Kapitän Louis van Zanten übernahm die linke Abwehrseite, Eli Rohloff rückte auf den rechten Flügel, hinter der einzigen Spitze Jason Rebing agierte Ramon Marcos auf der Zehn, während Tobi Sagert und Chris Goertz das Zentrum absicherten.
In den Anfangsminuten war der Mannschaft die Verunsicherung der vergangenen Wochen jedoch noch deutlich anzumerken. Aus einer kompakten Defensive heraus suchte man zunächst Sicherheit, doch selbst dort schlichen sich Unsicherheiten ein, die den Gegner zu ersten gefährlichen Situationen einluden. Insgesamt blieb das Niveau der Partie aber überschaubar, auch Immerath fand zunächst kein Mittel.
Nach einer Viertelstunde musste Sagert verletzt vom Feld, Simon Goertz kam ins Spiel. Die notwendige Umstellung, van Zanten rückte zurück auf die Doppelsechs, Goertz übernahm die linke Abwehrseite, brachte kurzzeitig Unruhe. Diese nutzten die Gastgeber in der 27. Minute, als Titze nach einer zu kurz abgewehrten Ecke zur Führung traf.
Der Rückstand zeigte Wirkung, doch der Schock währte nur kurz. Nachdem das Spiel der Viktoria bis dahin vor allem über die linke Seite gelaufen war, führte ein erster sauber vorgetragener Angriff über rechts zum Ausgleich. Rohloff und Philipp Morr kombinierten sich nach vorne, Morr bediente Ramon Marcos im Strafraum, der überlegt zum 1:1 einschob. Nur zwei Minuten nach dem Rückstand war alles wieder offen.
Nun war die Elf vom Junkerberg endgültig im Spiel angekommen. Mit wachsender Sicherheit und mehr Zug zum Tor ging es verdient mit dem Ausgleich in die Pause.
Im zweiten Durchgang verschob sich das Spielgeschehen zunehmend zugunsten der Viktoria. Angetrieben von einem unermüdlichen van Zanten, von Ramon Marcos und dem agilen Morr erspielte sich die Mannschaft mehrere gute Möglichkeiten. Van Zanten traf nur die Latte, der eingewechselte Lewezki scheiterte zweimal frei vor dem Tor, und immer wieder klärte die Immerather Defensive in letzter Sekunde.
Auch die Gastgeber suchten ihre Chance im Kampf gegen den Abstieg und kamen gelegentlich vor das Tor von Engel, doch ihre Abschlüsse blieben harmlos. In der 78. Minute entwickelte sich aus einer solchen Situation ein Konter, den Morr aus zwölf Metern sehenswert im Winkel versenkte. Die längst verdiente Führung war erzielt, der so wichtige Sieg schien zum Greifen nah.
Doch in diesen Wochen scheint sich der Fußballgott von der Viktoria abgekehrt zu haben. Fünf Minuten vor dem Ende lief man in einen Konter und Immerath nutzte eine seiner wenigen klaren Möglichkeiten im zweiten Durchgang zum 2:2 durch Camphausen.
Trotz dieses erneuten Rückschlags stemmte sich die Mannschaft ein weiteres Mal gegen das Unvermeidliche. In der Nachspielzeit boten sich Morr und dem laufstarken Rebing noch große Chancen auf den Siegtreffer, doch beide blieben ungenutzt.
Und wie es der Fußball so oft schreibt, hielt auch dieses Spiel noch eine letzte bittere Pointe bereit. In der 97. Minute bekam Immerath eine letzte Ecke. Die Abwehr konnte den Ball nicht entscheidend klären, am linken Strafraumrand kam ein Gegenspieler noch einmal an den Ball und flankte scharf nach innen. Dort stand erneut Titze, der zum Matchwinner wurde – 2:3. Abpfiff.
Die Sonne war längst hinter dem Horizont verschwunden, als die enttäuschten Viktorianer den Platz verließen. Trotz großen Einsatzes, trotz vieler Chancen bleibt am Ende wieder nur die Leere eines Spiels, das mehr verdient hätte.
Engel - van Zanten, Hickmann, F. Goertz, Morr - Cobanoglu (75. Lewezki), C. Goertz, Sagert (12. S. Goertz), Marcos, Rohloff (83. Nolte) - Rebing
Stephan Epple
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