Spielbericht: Viktoria Doveren - SV Klinkum
Mehr als ein Klub: Warum uns auch ein 0:2 nicht trennt
Der englische Schriftsteller und bekennende Arsenal-Fan Nick Hornby hat in seinem Bestseller Fever Pitch die Logik des Fanseins einmal treffend beschrieben: „Es gibt keine rationale Erklärung dafür, warum man sich einen Klub aussucht und dass es danach kein Entkommen mehr gibt.“
Genau darin liegt der Kern. Die Liebe zu einem Verein, für den man sich irgendwann entschieden hat, verschwindet nicht mehr. Sie bleibt, unabhängig davon, in welcher Lage sich dieser Klub gerade befindet. Man hört nicht auf, ihn zu lieben. Es bleibt immer der eigene Verein. Egal wie schwer die Phase gerade ist.
Es gehört zum Fansein dazu, dass Niederlagen länger nachwirken als Siege glücklich machen. Dass man als Fan früh lernt, mit Enttäuschung zu leben. Kaum etwas beschreibt die Vereinsliebe besser als diese einfache Wahrheit. Man entwickelt eine gewisse Leidensfähigkeit, fast so etwas wie eine Abhängigkeit. Für Außenstehende mag es nur ein Spiel sein. Für uns Viktorianer ist es weit mehr.
Wir gehen nicht auf den Junkerberg, weil es immer schön ist, sondern weil wir gar nicht anders können.
Und so war es auch beim heutigen Meisterschaftsspiel gegen den SV Klinkum: Die Vorfreude war da, groß wie immer. Und am Ende vielleicht größer als das, was die 90 Minuten tatsächlich hergegeben haben.
Schon vor dem Anpfiff setzt diese leise, hartnäckige Hoffnung ein, dass heute etwas Besonderes passieren könnte. Man steht am Rand, schaut den Jungs beim Warmmachen zu, prüft fast unbewusst, wer in der Startelf steht, wer wach wirkt, wer Entschlossenheit ausstrahlt. Man beobachtet die Gesten, die Blicke, die Stimmung untereinander und versucht, dieses gute Gefühl, das man selbst in sich trägt, irgendwie auf die Mannschaft zu übertragen.
Je näher der Anpfiff rückt, desto stärker wird der Glaube, dass es genau dieser Tag sein könnte. Der Sieg fühlt sich plötzlich greifbar an, fast schon ein bisschen real.
Mit dem ersten Pfiff steigt die Nervosität ins Unermessliche und findet dann ein jähes Ende. Keine fünf Minuten sind gespielt, da folgt der erste Nackenschlag. In Sekundenbruchteilen zerfällt das zarte Pflänzchen aus Zuversicht und Hoffnung. Stattdessen drängt sich wieder diese Erkenntnis auf, die man eigentlich verdrängen wollte: Die Krise dieser talentierten Mannschaft ist gerade sehr real. Und der Nachmittag verspricht, ein langer zu werden.
Am Einsatz hat es der Mannschaft nicht gefehlt. Kampfgeist und Wille waren da, keine Frage. Aber die Leichtigkeit fehlte. Zu viele Ungenauigkeiten im Aufbau, zu viele einfache Ballverluste nach vorne. Das Spiel wirkte wie ein Spiegel der aktuellen Form. Gerade bei einigen Leistungsträgern schlichen sich Fehler ein, die man so vorher nicht kannte.
Es fehlt dieses eine Erfolgserlebnis, dieser Moment, der den berühmten Schalter umlegt. Ein Spiel, in dem plötzlich alles passt, in dem das Glück einmal auf der Seite der Elf vom Junkerberg ist, könnte vieles geraderücken.
Doch wenn Fortuna im Moment nicht mitspielt, bleiben selbst die wenigen Chancen ungenutzt. Und fast schon folgerichtig fällt auf der anderen Seite noch ein weiterer Treffer.
Am Ende steht dann nicht mehr die Hoffnung, sondern die Realität: eine 0:2-Heimniederlage.
Und trotzdem bleibt etwas. Denn so viele Rückschläge es zuletzt auch gab: Als Fan der Viktoria weiß man, dass es immer ein nächstes Spiel gibt und damit auch eine neue Hoffnung.
Engel - S. Goertz, Hickmann, Verim (67. Nolte), F. Goertz - Marcos, C. Goertz, Rumpf (85. Müller), van Zanten, Cobanoglu - Köse (80. Rohloff)
Die Zweite mit einen Remis im Verfolgerduell
Für die Reserve hat sich diese Hoffnung heute erfüllt. Am frühen Nachmittag erkämpfte man sich den gewünschten Punkt und hielt mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung ein 0:0 gegen die aufstiegsambitionierte Zweitvertretung des SV Klinkums.
Stephan Epple
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