Spielbericht: Viktoria Doveren - TuS Jahn Hilfarth

Don’t look back in anger: Stolze Viktorianer verlieren Rurderby äußerst unglücklich

Jedem Freund echter Kreisliga-Romantik muss das Herz höherschlagen, wenn man an einem für Dezember ungewohnt milden frühen Abend die Sportanlage betritt. Das Flutlicht springt an, dieses typische Surren, das wellenartig, als ob es die Fußballgötter selbst komponiert hätten in den Ohren klingt, der Duft der frisch gemähten Wiese küsst die Geruchsknospen der Nase, naja, okay in diesem Fall eher das leicht scharfe Aroma von Polethylen, das aus den Tiefen des Kunstrasens in den Kopf steigt. Der Getränkestand ist frisch bestückt, die Leberkäsbrötchen liegen verlockend in der Auslage. Fans und Vereinsverantwortliche beider Lager treffen aufeinander, begrüßen sich, necken sich – man kennt und schätzt sich. Unter dem Hückelhovener Förderturm im Glück-Auf-Stadion herrscht eine ganz besondere Atmosphäre.

 Flutlichtspiel unterm Förderturm: Viktoria gegen TuS Jahn

 

Ein ganz eigener Zauber liegt über dem Platz, wenn ein Derby bevorsteht, bei dem zwei Nachbarn in der Tabelle aufeinandertreffen. Auf der einen Seite ein gestandener B-Ligist, der weiß, wie der Hase läuft. Erfahren, bissig, mit dem Anspruch, seinen Platz im oberen Mittelfeld zu behaupten. Auf der anderen ein Liganeuling, der in kurzer Zeit ordentlich Staub aufgewirbelt hat, mutig, voller Energie und mit dem Selbstverständnis des Underdogs, der nichts zu verlieren hat.

 

Kurz gesagt: Der TuS Jahn Hilfarth gastiert beim heißesten Feger der Liga - Viktoria Doveren!

 

Unsere Viktoria wollte dem Gast von der anderen Rurseite auch an diesem 14. Spieltag ihr Sexappeal zeigen und die drei Punkte mitnehmen.

 

Und tatsächlich gelang der Viktoria ein pfiffiger Start in die Partie. Trotz der Ausfälle von Abwehrchef Hickmann und Mittelstürmer Köse fand unsere Elf gut ins Spiel und überzeugte zunächst mit sicherem Passspiel. Besonders die kreativen Akteure van Zanten, Yesil und die hängende Spitze Marcos kombinierten sich aufmerksam und variabel durchs Mittelfeld. Immer wieder gelang es der Krieger-Elf, im Zentrum Überzahlsituationen herzustellen, die mit klugen Verlagerungen über die Außenbahnspieler Rohloff und Enis Cobanoglu zu durchaus gefährlichen Angriffen führten. Vor allem Cobanoglu stellte seinen Gegenspieler mit seinen wendigen Dribblings mehrfach vor große Probleme.

 

Der TuS versuchte seinerseits, das Mittelfeld bei Ballbesitz schnell zu überbrücken und seine schnellen Stürmer in Szene zu setzen. Doch unsere neuformierte Innenverteidigung um Chris Goertz und Tufan Verim zeigte sich aufmerksam und zuverlässig. Die Jahner kamen überwiegend aus der Distanz zum Abschluss, doch die Schüsse waren meist zu harmlos. Lediglich ein Versuch aus rund zwanzig Metern brachte Gefahr, den Keeper Engels mit einer starken Parade entschärfte.

 

Die beste Chance der ersten Hälfte hatte kurz vor der Pause erneut der agile Cobanoglu. Am Strafraum ließ er seinen Gegenspieler aussteigen und zielte überlegt ins linke Eck, doch Hilfarths Torwart Lorenz verhinderte die Führung mit einer starken Reaktion.

 

Mit Beginn der zweiten Hälfte verschoben sich die Spielanteile allmählich. Hilfarth schloss die Räume im Zentrum nun besser und unterband das zuvor wirkungsvolle Doverener Überzahlspiel, ohne sich jedoch selbst zwingende Torchancen herauszuspielen. So fiel die Führung der Gäste eher überraschend: Nach 69 Minuten köpfte der völlig freistehende Wieser eine unnötige Ecke ins Viktoria-Gehäuse.

 

Der Treffer hinterließ einen spürbaren Dämpfer, und noch bevor die Mannschaft sich davon vollständig erholt hatte, erhöhte der Ex-Doverener Grauke vier Minuten später auf 0:2. Die Partie verlor danach zunehmend an Tempo und Spannung, bis Schiedsrichter Franzen schließlich abpfiff.

 

In einem vor allem in der ersten Hälfte temporeichen und für die B-Liga ausgesprochen ansehnlichen Spiel setzte sich am Ende nicht unbedingt die bessere, sondern die abgeklärtere Mannschaft durch und nahm die Punkte mit nach Hilfarth. Dennoch sollte es kein zorniger Blick zurück aufs Spiel sein: Unsere Jungs können mit erhobenem Kopf auf eine kämpferisch wie spielerisch überzeugende Leistung zurückblicken. Eine Vorstellung, die Zuversicht weckt und Mut macht für die letzte Aufgabe des Jahres am kommenden Sonntag in Immerath.

 

Aufstellung: Engel - S. Goertz, Verim, C. Goertz, Lewezki (85. Müller) – Enis Cobanoglu (85. Hacker), van Zanten, Yesil (82. Gruntmann), Marcos Jimenez, Rohloff (61. Bieonuma) – Nolte (75. Schmitz)

 

Stephan Epple

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Veröffentlichung

Di, 09. Dezember 2025

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